Und dann fiel das Radl ab…

von Redaktion

Die DTM wird 40 – die Anfänge der Rennserie waren bisweilen abenteuerlich

München – Was am 11. März 1984 im belgischen Zolder begann, war für Hans-Joachim Stuck zunächst „mehr so eine schöne Beschäftigungstherapie“. Und die ließ sich ja eigentlich auch hervorragend an, der damals 33-jährige Stuck, mit der Erfahrung von 74 Formel-1-Rennen ein Name in der Motorsportszene, steuerte im ersten Rennen der DTM-Geschichte dem Premierensieg entgegen. In welchem Auto? Da muss Stuck länger nachdenken. „Ich weiß aber noch, dass ich das Radl verloren habe da hinten in der Doppel-Rechts“, erinnert sich der Bayer.

In der vorletzten Runde passierte das Malheur. Die Konsequenz: Stuck musste seinen BMW 635 CSi abstellen. Markenkollege Harald Grohs, Spitzname „Nippel“, staubte den schon verlorenen Sieg noch ab. „Ein relativ wildes Jahr“ sei das gewesen, sagt Stuck. So gewann Grohs vier der 15 Rennen. Eine starke Bilanz, die aber doch nicht stark genug war – den Titel in der „Deutschen Produktionswagen-Meisterschaft“, ab 1986 dann Deutsche Tourenwagen-Meisterschaft, holte sich Volker Strycek ohne auch nur einen Sieg.

Was sol´s, die frühe DTM war eine offene Rennserie für Enthusiasten und Schrauber. Ein Handicap-Reglement mit Zusatzgewichten und weiteren Restriktionen sorgte für annähernd gleiche Chancen. Heute kaum fassbare 16 verschiedene Fahrzeugtypen gingen im Verlauf der Saison auf die Strecke, sage und schreibe 98 Fahrerinnen und Fahrer stehen in den Ergebnislisten. Darunter auch die Italienerin Lella Lombardi – die bis heute einzige Frau, die in der Königsklasse Formel 1 in die Punkteränge fuhr. Dazu auch schon spätere DTM-Ikonen wie Roland Asch, Jörg van Ommen oder eben Stuck, der 1990 den Titel holte. Nicht zu vergessen auch ein gewisser Willi Weber, der später Michael Schumacher als Manager („Mister 20 Prozent“) in die Formel 1 brachte und auf dem Weg an die Spitze beriet.

Doch die Sache wurde zum Erfolgsmodell: Die DTM wuchs, zog bald auch die großen Werke der Auto-Szene an – und blieb doch nahbar. Für jede Menge Motorsportfans. „Beim Hockenheim-Finale hatten wir wirklich immer volles Haus“, erinnert sich Stuck: „Die Leute haben einen Riesenspaß gehabt, wir haben gerne Autogramme gegeben und mit den Fans Kontakt gehabt.“

Der Wert der DTM wuchs auch sportlich, die Serie wurde international zu einer echten Marke. Michael Schumacher war kurz vor seinem Formel-1-Einstieg noch Gaststarter, für Giancarlo Fisichella, Paul Di Resta, Pascal Wehrlein oder Esteban Ocon diente die DTM gar als direktes Sprungbrett in die Königsklasse. Die Formel-1-Weltmeister Keke Rosberg und Mika Häkkinen wiederum machten es umgekehrt und ließen ihre Rennfahrerkarrieren letztlich in der DTM ausklingen.

Das klingt nach einem echten Märchen. Aber natürlich war auch die Serie nicht frei von Krisen. 1996 war erst mal Schluss, 2000 kam es zum Revival. Doch das verlief nicht geräuschlos. Die DTM musste sich auch danach neu erfinden, zuletzt 2021 durch den Wechsel von Prototypen zu GT3-Fahrzeugen. Im vergangenen Jahr übernahm schließlich der ADAC die Serie vom langjährigen Vermarkter ITR.

Die neue Saison wartet nun schon – sie beginnt Ende April in Oschersleben.  sid

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