München – Die Meldung war unscheinbar, einer jener Newsletter eben, die auch die Basketball-Euroleague regelmäßig verschickt. Sie befasste sich im Kern mit dem aktuellen Führungsduo aus Präsident Dejan Bodiroga und Geschäftsführer Paulius Motiejunas, die für weitere vier Jahre in ihren Ämtern bestätigt wurden. Dabei wird unter anderem betont, dass gerade Letzterer sich besondere Verdienste dabei erworben habe, die Euroleague-Lizenzinhaber hinter Plänen zu vereinigen, die Königsklasse in Schlüsselmärkten wachsen zu lassen. Und zwar in und außerhalb von Europa.
Was eine eher vorsichtige Formulierung dafür ist, dass ein ebenso revolutionäres wie umstrittenes Projekt vor der Vollendung steht: Die Euroleague strebt einen hochlukrativen Deal mit Dubai an. Entsprechende Spekulationen gibt es ja schon längere Zeit. Die Clubchefs waren ja auch schon vor Ort um sich die Gegebenheiten in Augenschein zu nehmen.
Und nun nimmt die Sache konkrete Formen an. Wahrscheinlichste Variante: Ein Team aus Dubai wird im ersten Schritt im Eurocup an den Start gehen, dem Juniorwettbewerb der Euroleague. Und dies wohl schon in der kommenden Saison. Die anfängliche Skepsis der Clubvertreter ist wohl weitgehend beseitigt. Was zu teilweise eigentümlichen Quervergleichen mit Maccabi Tel Aviv und Fenerbahce Istanbul führt, die geografisch auch nicht in Europa beheimatet sind. Der Sinneswandel dürfte nicht zuletzt auch damit zu tun haben, dass die Investoren in den Emiraten für die höheren Reisekosten gerade stehen wollen. Die Rede ist sogar davon, dass man den Auswärtsteams für die Trips nach Dubai Charterflugzeuge zur Verfügung stellen will. Geld, man ahnt es, spielt keine Rolle.
Interessant dürfte auch werden, wie der neue Club wirtschaften wird. Denn Tatsache ist auch, dass Euroleague-Chef Motiejunas ein ausdrücklicher Verfechter des „financial fairplay“ ist mit dem Chancengleichheit in der Königsklasse hergestellt werden soll.
Was insofern noch spezieller wird als das angehende Mitglied in Europas Basketball-Elitezirkel nicht nur mit Madrid, Mailand, München & Co messen will. Aus Serbien ist zu hören, dass sich Dubai auch in fortgeschrittenen Verhandlungen um eine Mitgliedschaft in der Adria League befindet, in der sich im Wesentlichen die Vereine des früheren Jugoslawien miteinander messen. Tendenz: Mit dem entsprechenden Kleingeld wird die Sache auch dort schon funktionieren.
Und die Basketball-Initiative aus den Vereinigten Arabischen Emiraten geht noch weiter. So liegt den Euroleague-Eignern – sprich: den Clubs – eine Anfrage vor, wonach Abu Dhabi drei Finalturniere um Europas Basktball-Krone ausrichten will. Nicht in der aktuellen Saison – hier hat ja schon seit längerem die Berliner Arena den Zuschlag. Aber dann eben von 2025 bis 2027. Und natürlich geht es auch hier um eine ganze Menge Geld. Dem Vernehmen nach will man in den Emiraten für die drei angedachten Finalwochenenden rund 75 Millionen Euro auf den Tisch legen.
Beim FC Bayern ist man dem Vorhaben gegenüber übrigens positiv eingestellt. Zumindest Trainer Pablo Laso begrüßte das Vorhaben. „Ich finde das gut“, sagte er, „wichtig ist, dass es gut für den europäischen Basketball ist.“ PATRICK REICHELT