„Die Fans werden bei uns als sehr, sehr wichtig gesehen“

von Redaktion

VON HANNA RAIF

München – Um den Stellenwert zu beschreiben, den das Thema Fan- und Fanclubbetreuung beim FC Bayern im Jahr 2024 einnimmt, reicht ein Blick aufs Organigramm. Denn dort wird Markus Meindl seit 1. Januar als Direktor geführt. Unmittelbar an den Vorstand berichtet der 40-Jährige all jene Themen, die den zwölften Mann beim deutschen Rekordmeister betreffen. Das Ohr an der Basis zu haben, sagt man gerne zur Kernaufgabe von Meindl. Und er selbst sagt: „Die Fans werden bei uns als sehr, sehr wichtig gesehen. Das ist ein Geist, der im ganzen Verein spürbar ist.“

Meindl, gebürtiger Münchner, weiß, wovon er spricht. Denn er ist seit seinem Start im Jahr 2010 gemeinsam mit der Abteilung gewachsen. „Das Thema Fans ist nicht nur beim FC Bayern, sondern in ganz Fußball-Deutschland in den vergangenen zehn Jahren immer wichtiger geworden“, erzählt er. Während in den siebziger und achtziger Jahren „gerade mal eine dreistellige Zahl von Fans zu den Auswärtsspielen im Europacup mitgefahren ist, die sich selbst organisiert hat“, ist Meindl heute schon Wochen vor Champions-League-Reisen beschäftigt. Auch beim Champions-League-Achtelfinale in Rom war er weit vor der Mannschaft vor Ort. Zusammen mit seinem Team prüfte Meindl Gegebenheiten und Modalitäten in der italienischen Hauptstadt. „Site-Visits“, sagt man zu diesen Vorab-Trips, die das Ziel haben, „mit Grundinformationen für Prävention zu sorgen“. Die Logistik ist etwa in englischen Stadien leichter zu erarbeiten als an vergleichsweise exotischen Reisezielen wie zuletzt Istanbul. Neidisch blicken viele Länder nach Deutschland, wo das nationale Konzept Sport und Sicherheit schon im Jahr 1993 bis heute wichtige Strukturen geschaffen hat. Meindl: „Die Erwartungshaltung der deutschen Fußballfans 2024 ist groß – uns wird nicht langweilig.“

Das allerdings gilt auch für frühere Zeiten, also solche, in denen Uli Hoeneß vor dem Mannschaftshotel in Richtung der mitgereisten Fans fragte: „Haben alle ein Ticket? Kann ich noch etwas tun?“

Meindl sagt: „All das ist bei den älteren Fans noch sehr präsent.“ Weil die Zeiten aber inzwischen andere sind – fünf Prozent des Stadionkontingents entfallen zum Beispiel in der Königsklasse auf das Auswärtsteam –, ist es Meindls erklärtes Ziel, Tradition und Innovation zu verbinden. Mit Blick auf 4500 Fanclubs mit 337 663 Mitgliedern (Stand 1. Februar) wurden Formate entwickelt, um die persönliche Kommunikation nicht nur zu erhalten, sondern zu fördern.

Es gibt genug Freitagabende im Jahr, an denen Meindl bei einem von insgesamt 20 regionalen Fanclub-Treffen im Wirtshaus sitzt, um sich auszutauschen. Auch die Weihnachtsbesuche der Profis, die heuer auf Januar verschoben wurden, sowie die öffentlichen Trainingseinheiten zählt er zu „unserer DNA“. Die Massen so zu organisieren, dass jeder seinem FC Bayern so nah wie möglich sein kann, ist das Optimum. Und deshalb geht Meindl bei Szenen wie jener, die er im vergangenen Sommer beim sogenannten „Traumspiel“ in Südtirol beobachtet hat, auch das Herz auf. „Harry Kane hat sich Zeit für die gesamte Runde im mit 6400 Zuschauern ausverkauften Kalterer Stadion genommen“, sagt er und ergänzt: „Das ist nicht nur Professionalität, das war Freude.“ Auch wenn es schwer sei, „die Größenordnung zu bedienen“, seien die Spieler „sehr nahbar“. Es ist seine Aufgabe, diese Werte auch neuen Profis nahezubringen, denn: „Viele kennen das so nicht.“

Der FC Bayern hat sich schon immer als Familie verstanden, heute ist sie halt größer als früher. Und trotzdem ist Fanarbeit kein Selbstläufer – im Gegenteil. Meindl bezeichnet die Demographie als „große Herausforderung“. Im Kids Club sowie mit Jugendbeauftragten in den Fanclubs gibt man sich daher besonders große Mühe, „Kinder und Jugendliche für Sport, Fußball und den FC Bayern zu begeistern“. Sie sollen die Zukunft dieses Vereins begleiten und mitgestalten – genauso wie der Blick zurück lohnt sich daher der Blick nach vorne. „Wir werden mit der Zeit gehen. Was wir haben, wird bleiben. Aber global gesehen kann man mit Technik sicher ermöglichen, noch näher dran zu sein“, sagt Meindl. Worüber wir wohl in 30 Jahren reden? „Ich hoffe, dass die Welt mehr zusammenwächst als auseinanderdriftet, das ist ja auch für uns schön.“ Ein positiver Schlussgedanke. Und mit Sicherheit: weiterhin viel zu tun für den Direktor.

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