Wolfsburg – In ihrer Euphorie nach der Gala von Wolfsburg legte Lea Schüller die im Profifußball übliche Zurückhaltung für einen Moment ab. „Wir haben jetzt sieben Punkte Vorsprung. Wenn wir uns nicht dumm anstellen, sollten wir es auf jeden Fall easy über die Bühne bringen“, antwortete die Mittelstürmerin der Frauen des FC Bayern in der ARD auf die Frage, wie groß denn nun nun die Chancen auf die Meisterschaft seien.
„Wir wollen uns das nicht mehr nehmen lassen, unsere Hausaufgaben weiter machen und dann hoffentlich Meister werden“, sagte Giulia Gwinn – etwas zurückhaltender – nach dem 4:0-Sieg beim VfL Wolfsburg am Samstag. Doch tatsächlich scheint es jetzt kaum noch vorstellbar, dass die Bayern-Frauen ihren Titel nicht verteidigen. Die Mannschaft, die saisonübergreifend seit 34 Spielen ungeschlagen ist und in der ganzen Bundesliga-Spielzeit bisher nur sechs Punkte liegengelassen hat, führt fünf Spieltage vor Schluss die Tabelle mit sieben Punkten Vorsprung an.
Der Sieg in Wolfsburg unterstrich zudem eindrucksvoll, in welch starken Verfassung die Bayern-Frauen sich derzeit befinden. „Gratulation vom gesamten FC Bayern an die Frauen-Mannschaft, die mit dem eindrucksvollen 4:0 in Wolfsburg einen richtungsweisenden Sieg im Titelkampf feiern konnte. Außerdem einen besonderen – denn beim letzten Erfolg in Wolfsburg im Oktober 2008 stand unsere Frauen-Chefin Bianca Rech selbst noch auf dem Rasen“, lobte Bayerns Vorstandsvorsitzender Jan-Christian Dreesen. Der Großteil der Spielerinnen drückte damals sogar noch die Schulbank.
„Ich habe noch nie in Wolfsburg gewonnen. Und jetzt 4:0 mit so einer Leistung, das ist überragend“, freute sich Schüller. Für Gwinn fühlte sich der klare Erfolg „ein bisschen surreal“ an.
Die Bayern-Frauen setzten den von Trainer Alexander Straus im Vorfeld angedeuteten Matchplan perfekt um und ließen die mit dem Rücken zur Wand stehenden Wölfinnen angreifen, um dann die Räume zu nutzen, die sich auftaten. Als sich kurz nach der Pause fast alle VfL-Spielerinnen vor dem Tor von Mala Grohs versammelt hatten und einen Eckball kurz ausführten, eroberte Klara Bühl den Ball und leitete mit einem Sprint bis zur Mittellinie den Konter ein. Bühls Pass fand Pernille Harder, die zwei Gegenspielerinnen aussteigen ließ und zur Führung (48.) traf. Zehn Minuten später verwandelte Bühl dann einen Eckball direkt (58.), Schüller (76.) und Georgia Stanway (87.) stellten schließlich vor 24 437 Zuschauern den Endstand her.
Wie schon zuletzt bei den Siegen gegen Leipzig und bei Eintracht Frankfurt präsentierten sich die Bayern-Frauen auch in Wolfsburg außerordentlich effizient. „Der Sieg bedeutet eine Menge für uns. Hier in Wolfsburg gewinnen nicht viele Mannschaften und schon gar nicht mit 4:0“, freute sich Trainer Straus: „Wir wissen aber auch, dass das Spiel enger war, als es das Ergebnis aussagt. Wenn sie das erste Tor schießen, dann kann es auch anders ausgehen. Trotzdem, in solch einem Spitzenspiel so klar zu gewinnen, fühlt sich sehr gut an. Ich bin sehr stolz auf das Team und auch auf die zahlreichen Fans, die mit dabei waren.“
Viel Zeit zum Feiern bleibt aber nicht. Zwar bekam die Mannschaft zwei Tage frei, doch danach gilt die Konzentration der nächsten schwierigen Aufgabe: Am Sonntag steht das Halbfinalspiel im DFB-Pokal gegen Frankfurt (15.45 Uhr, Campus-Stadion) auf dem Programm.