Da war er, dieser Jaaaaa-Moment. Zuletzt jubelte Fußball-Deutschland 2016 so, beim Sieg im Elfmeterschießen im EM-Viertelfinale gegen Italien. Am Samstag staunte die Nation über den 2:0-Sieg beim Vizeweltmeister Frankreich. Noch im vergangenen November sah es nach dem blamablen 0:2 gegen Österreich so aus, als würde die Nationalmannschaft auch unter Julian Nagelsmann an die Misserfolge der jüngsten Jahre und Turniere anknüpfen. Doch die Winterpause hat der Bundestrainer genutzt, um wichtige Entscheidungen zu treffen.
„Wir haben mal den Blinker gesetzt Richtung Heim-EM – es wäre gut, wenn wir weiter Gas geben“, kündigte Nagelsmann vor dem nächsten Kracher gegen die Niederlande an. Bei der rasanten Fahrt haben einige Akteure jedoch den Anschluss verloren. Sollte sich niemand bis zum EM-Auftakt am 14. Juni gravierend verletzen, dann dürften in Lyon die Feldspieler auf dem Platz gestanden haben, die auch gegen Schottland erste Wahl sind.
Ein klares 4-2-3-1-System ist gefunden, die Rollenverteilungen sind klar. Das Comeback von Toni Kroos war ein königlicher Schachzug. Joshua Kimmich ist hinten rechts bestens aufgehoben. Wenn gegen Frankreich überhaupt ein DFB-Akteur etwas abfiel, dann war es Ilkay Gündogan. Der Kapitän konnte bei so viel Spielfreude seiner Nebenleute nicht ganz mithalten. Gleichwohl ist der Barcelona-Profi ein wichtiger Faktor im Team.
Und so saßen beim begeisternden Abend von Lyon die Verlierer vor allem zu Hause vor dem Fernseher. Die Dortmunder Verantwortlichen hatten im Vorfeld noch gejammert, weil mit Niclas Füllkrug nur ein Borusse nominiert worden war. Aber was hätten Mats Hummels, Nico Schlotterbeck, Niklas Süle oder Julian Brandt besser machen können? Auch für ein Bayern-Duo stehen die Zeichen nicht besonders gut: Leon Goretzka und Serge Gnabry müssen um einen EM-Kader-Platz bangen.
Die Innenverteidigung steht, Taktgeber Kroos ist gesetzt, das Zauber-Duo Florian Wirtz und Jamal Musiala genießt zurecht volles Vertrauen. Alte Erfolge im DFB-Team sind unter Nagelsmann nicht mehr der Faktor für eine Berufung. Und das ist gut und richtig so.
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