Bremerhaven/München – Das erste Halbfinale in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) ist gespielt – und Julian Nagelsmann ist gegen Michael Zetterer 0:1 in Rückstand geraten. Die Auflösung des Ausflugs in den Fußball: Die DEL hatte für jeden Club einen prominenten Daumendrücker gewinnen können, für die Münchner war mit einem werbesloganmäßigen „Ab ins Finale. Vamos, Red Bull“ der Bundestrainer am Start, für die Fischtown Pinguins Bremerhaven Werder-Bremen-Torwart Zetterer, ehemaliger Unterhachinger. „Haut die Münchner weg, Bremen hält zusammen“, sagte er. Zetterer traf das Stimmungsbild punktgenau. Auf einem Transparent in der Kurve stand „Die ganze Stadt steht hinter euch“. Bremerhaven, die Exklave der Hansestadt Bremen, nutzte den Heimvorteil zum Auftakt der Best-of-Seven-Serie und gewann gegen den EHC Red Bull München mit 3:0 (1:0, 2:0, 0:0). Für den Meister war es nach dem glatt durchlaufenen Viertelfinale gegen Wolfsburg die erste Niederlage in den Playoffs.
Wenn man nach den Gründen sucht, warum es für München am Ostermontag hoch im Norden nichts zu holen gab, muss man mit dem Eröffnungsbully anfangen. Nach vier Sekunden zog Trevor Parkes für den EHC wegen eines Stockschlags die erste Strafzeit, und kaum war die erste Unterzahl schadlos überstanden, sorgte Verteidiger Jonathon Blum mit einem Beinstellen für die zweite. „Es hat semioptimal für uns begonnen“, analysierte Münchens Sportchef Christian Winkler – denn Bremerhavens Powerplay-Formation schlug zu. 6. Minute: Pass des Dänen Jensen auf den Slowenen Jan Urbas, der eine kleine EHC-Vergangenheit hat (Saison 2013/14) – und es stand 1:0 für Fischtown. Winkler über den Gegner: „Du weißt oft, was sie machen – aber es ist schwer zu verteidigen.“
Auch der Start ins zweite Drittel misslang München, man verlor die Scheibe in der eigenen Zone, Markus Vikingstad erhöhte auf 2:0 (22.), und das sauber herausgespielte 3:0 durch Dominik Uher (28.) zeigte, dass der EHC leicht in die Bredouille zu bringen war. Co-Trainer Niklas Hede sagte: „Bremerhaven beherrscht die Mitte des Eises.“ Übersetzt: die neutrale Zone. Hedes Chef Toni Söderholm räumte ein: „Bremerhaven hatte großteils die Kontrolle. Mein Gefühl war, dass wir abgewartet haben, was der Gegner bringt.“ Eine Nichtentschlossenheit, die Söderholm in ein Autofahrerbild kleidete: „Man kann nicht gleichzeitig aufs Gaspedal und die Bremse gehen.“
Der EHC hatte auch seine Chancen, doch sie blieben überschaubar. In der Hauptrunde hatte er drei der vier Spiele gegen die Pinguins gewonnen, diesmal ging nichts gegen eine hochdisziplinierte Mannschaft, die auch auf einen starken Keeper bauen konnte: Der Lette Kristers Gudlevskis, in der DEL als Torwart des Jahres ausgezeichnet, hielt seinen Kasten sauber.
Wofür er sichtbar leiden musste: Zweimal nahm er auf dem Eis medizinische Behandlung in Anspruch, in der letzten Aktion des zweiten Drittels war er bei einer undurchsichtigen Schieberei mit der Stockhand am Pfosten gelandet, später bekam er noch auf die Maske.
Demonstrativ ging Gudlevskis am Ende aber zum Interview bei MagentaSport – um zu zeigen, dass ihm nichts fehlt. Die auf den Taktik-Smalltalk folgende zweimalige Nachfrage nach der persönlichen Befindlichkeit umschiffte der 31-Jährige routiniert, indem er einfach weitere Phrasen absetzte. Spiel zwei am Mittwoch (19 Uhr) in München hatte schon begonnen.