Bremen – Ralph Hasenhüttl war völlig ausgepowert. Die Rückkehr auf die Bundesliga-Bühne hatte beim neuen Trainer des VfL Wolfsburg deutlich vernehmbare Spuren hinterlassen. „Das mit der Stimme ist ein Problem. Die habe ich mir in England ein bisschen kaputt gemacht“, sagte Hasenhüttl. Er lächelte. Natürlich lächelte er. Durch ein 2:0 (1:0) bei Werder Bremen hauchte der Österreicher den Wölfen neues Leben, es war der erste Dreier des VfL nach einer Sieglos-Serie von elf Spielen.
„Im Endeffekt war das ein ganz wichtiger Dreier für uns. Die Mannschaft hat lange darauf warten müssen“, bilanzierte Hasenhüttl nach seiner gelungenen Premiere als Nachfolger des erfolglosen Niko Kovac, und er schob mit einem Grinsen hinterher: „Und ich eineinhalb Jahre.“
Im Herbst 2022 hatte Hasenhüttl zuletzt beim FC Southampton in der Premier League auf der Bank gesessen. In der Bundesliga war es deutlich länger her: Fast sechs Jahre nach seinem letzten Einsatz in Diensten von RB Leipzig im Mai 2018 feierte er sein Bundesliga-Comeback. Und was für eins.
„Da war schon alles drin, was man als Trainer in so einem ersten Spiel bekommen kann“, schwärmte Hasenhüttl und sprach von „Gefühlen, die man lange nicht mehr hatte“. Es sei für ihn „etwas ganz Besonderes“, wieder in der Bundesliga anzukommen.
Hasenhüttl hielt es bei seiner Rückkehr kaum auf der Trainerbank. Der 56-Jährige tigerte in seinem grauen Kapuzenpulli an der Seitenlinie fortwährend auf und ab, gestikulierte und fütterte seine Spieler immer wieder lautstark mit Anweisungen – was bestens zu fruchten schien. Zwar benötigte Wolfsburg eine gewisse Anlaufzeit und überzeugte eher kämpferisch als spielerisch – doch der erste Sieg im Kalenderjahr entschädigte für vieles. Es war nicht alles gut. Das brauchen wir aber auch nicht zu erwarten in dieser Phase“, sagte Kapitän Maximilian Arnold und hob die neuen Strukturen hervor. Vor allem im Spiel gegen den Ball. „Das war ein klarer Plan“, urteilte Arnold. Es sei detaillierter gewesen als zuvor.
Auch Hasenhüttl sieht Luft nach oben, freute sich aber vor allem über die drei Punkte. „Es ging nicht darum, die Sterne vom Himmel zu spielen“, sagte er. „Alles, was man Neues predigt, braucht Ergebnisse, die es untermauern. Wenn die nicht da sind, kannst du viel erzählen. Deswegen sind Siege am Anfang enorm wichtig.“ sid