München – Der hart erkämpfte Sieg im Halbfinale des DFB-Pokals am Ostersonntag wurde nicht mit Sekt oder wie beim FC Bayern üblich mit Weißbier gefeiert, sondern mit Gurkenwasser. Zumindest wurde Mala Grohs im Freudentaumel mit der Flüssigkeit überschüttet, nachdem die Torhüterin im Elfmeterschießen gegen Eintracht Frankfurt die ersten drei Elfmeter gehalten hatte und zur Pokal-Heldin geworden war.
„Gurkenwasser soll eigentlich gegen Krämpfe helfen. Aber ich habe es über den Kopf bekommen“, erklärte die 22-Jährige nach dem bisher größten Spiel ihrer Karriere. Sydney Lohmann, Magdalena Eriksson und Pernille Harder verwandelten ihre Elfmeter zum 4:2 (1:1 n.V.)-Endstand, zum ersten Mal seit 2018 stehen die Bayern-Frauen im Finale und dürfen weiter vom Gewinn des Doubles träumen. „Ich weiß, dass ich mich in Drucksituationen auf mich verlassen kann“, erklärte Grohs, die als Ritual vor ihren Spielen mehrfach den Zauberwürfel löst.
Im Abschlusstraining hatten alle Bayern-Spielerinnen ihre Elfmeter verwandelt, die Torhüterin ging deshalb entspannt und selbstbewusst in das Elfmeterschießen. „Ehrlich gesagt, hatte ich einfach Bock drauf“, erklärte sie: „Jetzt freue ich mich auf das Finale, es wird mein erstes. Einfach cool!“
Früh hatte Georgia Stanway die Bayern-Frauen per Handelfmeter in Führung gebracht (4.), Géraldine Reuteler (18.) glich mit einem traumhaften Volleyschuss aus. Im Anschluss entwickelte sich ein echter Pokalfight, in der mal die eine, mal die andere Mannschaft dem nächsten Treffer näher schien.
Dass in der regulären Spielzeit und in der Verlängerung keine weiteren Tore fielen, lag auch an beiden Torhüterinnen, Grohs rettet unter anderem nach einer Stunde stark gegen Frankfurts Lara Prasnikar. „Mala war heute unglaublich. Sie war da, als wir sie am meisten gebraucht haben“, lobte Kapitänin Glodis Viggósdóttir.
Im Finale am 9. Mai in Köln wartet nun der VfL Wolfsburg (9:0 gegen Essen) auf die Bayern-Frauen. „Das wird ein großartiges Spiel. Auch wenn wir in der Bundesliga 4:0 in Wolfsburg gewonnen haben, war das Spiel enger, als es das Ergebnis aussagt. Da machen wir uns nichts vor. Aber wir sind in der Lage, den Pokal zu gewinnen“, sagte Trainer Alexander Straus, der den Finaleinzug mit einem Bayern-Schal um den Hals feierte.
„Der Traum vom ersten Double der FC Bayern-Frauen lebt – dieses Team hat das Zeug, Geschichte zu schreiben“, erklärte Präsident Herbert Hainer, der das Spiel mit 2.500 Fans im Campus-Stadion verfolgt hatte. „Wir spielen seit Januar super, wir haben kein Spiel verloren. Wir wollen jetzt das Double!“, stellte Jovana Damnjanovic klar. Unmittelbar nach Abpfiff begann die Party, aus der Kabine der Bayern-Frauen dröhnte laute Musik. Und vermutlich wurden dort auch andere Getränke als Gurkenwasser gereicht. „Die Mädel müssen am Montag zur Nationalmannschaft. Aber ich glaube es ist ihnen egal, in welchem Zustand sie dort ankommen“, sagte Mala Grohs, die Frau des Abends, mit einem Augenzwinkern.