Ein Jammer, dass der 1. April schon gestern war, denn ansonsten hätte man den kleinen Spaß bringen können. Die Situation beim FC Bayern wäre ja eigentlich wie gemacht für jenen Mann, der schon so viele durchwachsene Spielzeiten gerettet hat – und mal ehrlich: Wenn ein 81-Jähriger die stärkste Wirtschaftsmacht der Welt regieren kann, könnte es ein 78-Jähriger doch locker noch mal für ein paar Wochen mit dem FC Bayern aufnehmen. Dazu die zu Jupp Heynckes passende Wembley-Dramaturgie in der Champions League, womöglich hätte das sogar den BVB beflügelt. Aber leider will der gute Jupp weder den deutschen Fußball noch seinen Herzensverein retten. Vier Amtszeiten reichen. Und daher ist die Gesamtlage beim FC Bayern auch so kompliziert.
Das Topspiel am Samstag, der erste Sieg des BVB in München nach zehn Jahren, hat tief blicken lassen ins Innenleben dieses Vereins. Auch wenn die leise Hoffnung, die Krise bewältigt zu haben und gefestigt in den Saison- und Trainer-Endspurt gehen zu können, durchaus berechtigt war, wurde sie am Osterwochenende jäh zerstört. Gerade mal 90 Minuten hat es gedauert, ehe aus Optimismus Ratlosigkeit und aus aufkeimendem Selbstbewusstsein tiefer Frust wurde. Damit, dass die Meisterschale zum ersten Mal seit 2012 nicht nach München geht, hat man sich abgefunden. Es geht nun ums Grundsätzliche – und um die Frage, wie viel Schaden sich dieses Team selbst zufügen darf, will man es in naher Zukunft wieder zu einer Top-Mannschaft formen.
Thomas Tuchel hat damit nichts mehr zu tun, trotzdem kommt ihm große Bedeutung zu. Es ist nur logisch, dass man sich intern die Frage stellt, wie sehr ein Coach auf Abschiedstournee seine Spieler noch erreicht, mitnimmt und zu unbedingtem Willen motivieren kann. Reicht das Band, um noch zwei, vier, optimalerweise fünf Mal das Champions-League-Gesicht zu zeigen? Oder ist das, was gegen den BVB auf den Rasen gebracht wurde, der Ist-Zustand? Dann wäre nach der Meisterschaft auch die Königsklasse und vor allem das Mannschaftsklima in akuter Gefahr. Was nichts an der Tatsache ändert, dass – wie schon beim Beschluss des Tuchel-Aus zum Saisonende – die Kurzzeit-Alternative fehlt. Ach, Jupp…
Hanna.Raif@ovb.net