Liebesglück dank Verletzungspech

von Redaktion

Coman zieht nur noch Positives aus seiner harten Zeit – bei Bayern ist er „noch nicht fertig“

VON MANUEL BONKE, PHILIPP KESSLER UND HANNA RAIF

München – Die Krankenakte von Kingsley Coman ist prall gefüllt: Innen- und Außenbandriss im Knie, diverse Sprunggelenksverletzungen, Muskelfaserrisse, Prellungen und zwei Syndesmosebandrisse sind dort unter anderem aufgeführt. Wegen der hartnäckigen Verletzung am Sprunggelenk verpasste der französische Nationalspieler unter anderem die Weltmeisterschaft 2018. Dieser schwierigen Zeit kann der Flügelspieler im Nachhinein aber durchaus etwas Positives abgewinnen. „Manchmal hat man Glück im Unglück, denn: Ich habe meine Frau während der WM 2018 kennengelernt. Jetzt habe ich eine Frau und Kinder, das ist ein Segen“, berichtet Coman im Interview mit FCBTV.

Zwei Jahre später machte der King seiner Sabrina auf der griechischen Insel Mykonos einen Heiratsantrag, mittlerweile sind beide stolze Eltern einer Tochter. „Manchmal passieren Dinge aus einem bestimmten Grund. Manchmal nicht. Man muss immer kämpfen. So ist das Leben“, sagt der 27-Jährige rückblickend und erinnert sich: „Ich bin mit 19 hierhergekommen, ich war noch ein Junge. Jetzt bin ich fast 28. Viele meiner Erinnerungen sind hier entstanden. Der Verein bedeutet mir sehr viel. Ich bin sehr zufrieden, glücklich und auch sehr stolz – aber es ist noch nicht vorbei.“

Dass das „hochsensible Rennpferd“, wie ihn Trainer-Legende Jupp Heynckes einst nannte, auch abseits des Platzes Verantwortung übernehmen will, zeigt sein Status als „Integrationsbeauftrager“ des deutschen Rekordmeisters. Vor allem um die französischen Neuzugänge kümmert sich Coman rührend. „Ich versuche, mit allen Spielern befreundet zu sein, die neu zu uns kommen – wie mit Mathys Tel, Dayot Upamecano oder Noussair Mazraoui.“ Immerhin kenne Coman das Gefühl, „sein zu Hause zu verlassen und in eine neue Stadt zu kommen“.

Wenn der pfeilschnelle Dribbler nach seinem schönsten Moment im Bayern-Dress gefragt wird, muss er nicht lange überlegen: Sein Tor zum Champions-League-Triumph im Finale gegen Paris Saint-Germain in Lissabon. Das ist mittlerweile schon knapp vier Jahre her. „Ich werde diesen Pokal nie satthaben. Es ist mein größtes Erlebnis mit Bayern. Es war sehr, sehr schwer, ihn zu erreichen, aber wir haben es geschafft. Er wird immer in meinem Herzen bleiben“, blickt Coman auf den Höhepunkt seiner Vereinskarriere zurück und kündigt an: „Ich möchte dieses Gefühl wieder haben.“

Das ist diese Saison theoretisch möglich. Am Dienstag trifft das Münchner Star-Ensemble im Viertelfinal-Hinspiel der Königsklasse auf den FC Arsenal (21 Uhr, Amazon Prime Video). Schaffen es die Bayern sich in beiden Duellen gegen die Gunners durchzusetzen, würde im Halbfinale Titelverteidiger Manchester City oder Rekordsieger Real Madrid warten. „Wir müssen alles geben, was wir haben. Es ist nicht einfach, aber vielleicht schaffen wir es dieses Jahr. Im Moment ist nicht alles gut, aber wir haben noch Hoffnung. Und mit Hoffnung ist alles möglich.“ Ob Coman bei der Arsenal-Generalprobe am Samstag in Heidenheim (15.30 Uhr, Sky) mit von der Partie sein kann, wird sich noch zeigen. Gestern absolvierte er wegen individueller Belastungssteuerung erneut nur eine Laufeinheit. Langsam wird die Zeit knapp – mal wieder.

„Der Verein bedeutet mir sehr viel“

Für Heidenheim wird es knapp – und Arsenal?

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