Verlängerung – trotz allem ein Vergnügen

von Redaktion

Die Zuschauer leiden, den Teams gefällt’s – Münchner glauben an Wende gegen Bremerhaven

VON GÜNTER KLEIN

München – Straubinger und Berliner trieben es noch viel bunter: Sie waren erst kurz vor Mitternacht fertig mit ihrem zweiten Halbfinale, nach einer Gesamtspielzeit von 110:40 Minuten erzielte Ty Ronning das 4:3 für die Eisbären Berlin. Man war also schon in der dritten Verlängerung – Platz drei in der Überlängen-Historie der Deutschen Eishockey Liga (DEL).

Verglichen damit verlief die Begegnung zwischen dem EHC Red Bull München und Bremerhaven noch unspektakulär, wenngleich in der Overtime sich Szenen abspielten, die an die Schlachten-Gemälde alter Meister in den Museen erinnerten: Leiber, die sich übereinanderschichteten, Akteure, die sich verknäuelten, Lanzen (Schläger), die durch die Luft wirbelten. Das 3:2 für die Fischtown Pinguins durch Philipp Bruggisser fiel aber schon nach 13:09 Minuten extra. Spieldauer insgesamt daher 73:09 Minuten.

In der „regular season“ gehen Spiele bei Stand unentschieden in eine maximal fünfminütige Verlängerung, gespielt wird auch nur mit drei gegen drei Leuten, was schnelle Entscheidungen begünstigt. Mit Beginn der Playoffs heißt es: Weiter geht es mit fünf gegen fünf – und bis zur Entscheidung.

Wer zuschaut, leidet vor lauter Spannung und dem Hin- und hergerissensein zwischen Hoffen und Bangen. Die Beteiligten aber verspüren tatsächlich Spaß. „Als Kind, wenn man gespielt hat“, führt Bremerhavens Trainer Thomas Popiesch aus, „war es nie ein ganzes Spiel, sondern immer die letzten fünf Minuten des letzten Playoff-Spiels. Das macht unheimlich Spaß, und das wollen wir rüberbringen.“ Sein Münchner Kollege Toni Söderholm bestätigt diese Haltung: „Als Kinder wollten wir immer die Scheibe haben, diesen Mut braucht man auch in den Playoffs. Ich glaube nicht, dass man zurückhaltend, passiv, auf Vermeidung von Fehler achtend, allzu weit kommt. Man braucht in der Overtime ein gewisses Genießen.“

Da Bremerhaven gewann, weil sich Verteidiger Philipp Bruggisser an der Bande entlang durchtankte und den Puck an EHC-Torhüter Mathias Niederberger hoch ins Eck schlenzte, war der finale Genuss bei den Pinguins größer. Für sie war es eine glückliche Fügung, dass sie, obwohl ihnen eine 2:0-Führung entglitten war und „München brutal Druck machte in der Overtime“ (Fischtown-Stürmer Nino Kinder), in der Best-of-Seven-Serie auf 2:0 Siege erhöhen konnten.

Im Vorjahr im Viertelfinale stand es auch 2:0 für Bremerhaven – und die Münchner klammern sich daran, dass sie die Serie, die heute (19 Uhr) in Bremerhaven weitergeht, erneut drehen können (damals zum 4:2). Denn: „Wir waren viel besser als in Spiel eins (0:3-Niederlage, d. Red.), emotional und läuferisch präsenter“, so Toni Söderholm. Stürmer Maxi Kastner meint: „Wir haben vieles richtig gemacht, wenn wir so weiterspielen, haben wir eine Chance, denn Bremerhaven ist nicht so tief besetzt. Die erste Reihe von denen war am Ende sehr müde.“

Doch Fischtown zeigt seine Reife. Es gewann die Hauptrunde, war die DEL-Topmannschaft nach 52 Spielen, rauschte durchs Viertelfinale. „Ganz umsonst“, so Coach Popiesch, „haben wir die Punkte nicht geholt“. Die Situation sei „vom Score her ähnlich“ wie 2023 – aber: „Es sind nun völlig unterschiedliche Teams.“

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