München – Harold Kreis (65), der deutsche Eishockey-Bundestrainer, wuchs in Kanada auf. Doch weil sich sein Leben seit 1978 in Europa abspielt, ist die alte Heimat heute ein weit entferntes Land, das ihn zum Staunen bringt. Die Nordamerika-Reise, die Kreis nun zusammen mit Christian Künast, dem Sportdirektor des DEB, unternahm, war daher für ihn „spannend“. Wie die Clubs in der NHL ihre Spiele präsentieren, wie die Fans sich verhalten – „das kannte ich in der Form nicht“. Und auch einige der deutschen Spieler drüben (Topstar Leon Draisaitl, Philipp Grubauer, Lukas Reichel) kannte Harold Kreis bisher nur vom Texten. Nun aber endlich: „Wir sind uns gegenüber gestanden, haben uns die Hand gegeben.“
Die Treffen erfolgten jeweils nach den Morgentrainings, dem Pre-Game-Skate. Es ging um den Austausch beidseitiger Wertschätzung und das Abklopfen, ob die Deutschen bereit wären, im Mai zur WM nach Tschechien zu kommen. Kreis verspürte „große und positive Anteilnahme an der Nationalmannschaft“, doch definitive Zusagen konnte er nicht mit nach Hause nehmen, denn: „Es gibt Regularien, vor Ende der ,regular season’ passiert nichts“, so Künast. Die Fragen: Wer kommt in die Playoffs, wen würde der NHL-Verein freigeben, wie wäre es mit der Versicherung?
Die Ungewissheit gehört zum Business eines Bundestrainers. Kommende Woche geht es im tschechischen Karlsbad in Phase eins der Vorbereitung. Dafür hat Harold Kreis einen Kader nominiert, den er so beschreibt: „Acht Spieler aus unserem Vizeweltmeisterteam und junge Spieler, die schon Erfahrung haben.“ Schwergewichte wie Kapitän Moritz Müller, Mathias Plachta oder der in der DEL durch die Decke geschossene Justin Schütz sind schon dabei – allerdings musste Kreis von seiner Longlist einige Promis streichen: Leon Gawanke, Tom Kühnhackl (Mannheim), Maxi Kammerer (Köln) und Dominik Bokk (Frankfurt) sagten für die WM ab, Dominik Kahun (Bern) bat um eine Erholungspause, er kommt erst zu Phase zwei.
Co-Trainer sind zunächst der Österreicher Harry Lange und der Slowake Marian Bazany, ausfallen wird Pekka Kangasalusta. Der Finne, der auch in München Assistent ist und seit drei Monaten an einer Gehirnerschütterung leidet, „wird bis zur WM nicht fit“, so Kreis. gük