Eine Parallele weist die aktuelle Situation mit den Jahren der großen Bayern-Dominanz auf: Wie unter Pep Guardiola ist die Meisterschaft Anfang April entschieden, die Münchner können sich auf die Champions League konzentrieren. Doch diesmal ist es nicht der FC Bayern, der mit gefühlt 100 Punkten Abstand oben steht – sondern der TSV Bayer Leverkusen, dem Thomas Tuchel nach dem vergangenen Spieltag bereits zum Titel gratulierte.
Diese Reaktion war nach der Niederlage gegen Dortmund, die einen 13-Punkte-Abstand bei noch 21 zu vergebenden Zählern bedeutet, nur verständlich. Trotzdem sorgte sie bei den Verantwortlichen für Unmut. In der DNA des Rekordmeisters stecke das Gen, so klang es aus dem Verein, dass man erst aufgibt, wenn rechnerisch keine Chance mehr besteht. Man mag diese Haltung als realitätsfremd oder die Bosse als schlechte Verlierer abtun, allein: Es ist mit Blick auf die Restsaison verständlich. Schließlich bleibt die Bundesliga enorm wichtig. Es geht für den FCB in Heidenheim und nächste Woche gegen Köln nicht nur darum, mit guten Leistungen in Schwung für die Champions-League-Duelle mit Arsenal zu kommen. Der Abstand zum Tabellendritten VfB Stuttgart beträgt nur drei Punkte, dass die Münchner noch einen Platz abrutschen, ist nicht unvorstellbar. Zwar hätte dieses Szenario kaum sportliche Folgen, doch Sportvorstand Max Eberl warnte zuletzt nicht ohne Grund vor einem noch größeren Spannungsabfall.
Schließlich entscheidet auch die Liga-Schlussphase darüber, mit welcher Stimmung man in die Sommerpause und damit in die Planung der neuen Saison geht. Für den Trainer-Nachfolger von Tuchel ist es wichtig zu sehen, in welcher Verfassung er seine zukünftigen Spieler übernimmt, wer sich auch im vermeintlich irrelevanten Liga-Alltag reinhängt. Darüber hinaus geht es für Harry Kane noch um Torrekorde, die (deutschen) Nationalspieler wollen sich außerdem in EM-Form bringen. Und auch mögliche Neuzugänge werden darauf achten, wie der Rekordmeister die Bundesliga-Saison über die Bühne bringt. Gegen den BVB betrieben die Münchner in der Hinsicht keine Eigenwerbung.
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