Eishockey-Frauen wollen härter spielen

von Redaktion

DEB-Team besiegt Dänemark zum WM-Auftakt klar – Diskussion: Checks wieder zulassen?

Utica/München – Wenn die Eishockey-Frauen aus Dänemark und Deutschland aufeinandertreffen, muss man an die WM 2022 in Herning denken. Und an den großen finalen Countdown um den Klassenerhalt. Der glückte den Deutschen, das Tor, das sie benötigten, fiel in der wirklich letzten Sekunde. Mehr Dramatik ging nicht. Zum Auftakt der Weltmeisterschaft 2024 sah man sich wieder – und es ging diesmal bemerkenswert klar für die deutsche Mannschaft aus: Sie gewann im amerikanischen Utica 5:1 (1:0, 1:0, 3:1) und untermauerte ihre Überlegenheit in einer Torschussbilanz von 44:12. Christian Künast, früher selbst Bundestrainer der Frauen und jetzt Sportdirektor im Deutschen Eishockey-Bund (DEB), war vor Ort. „Souverän und dominant“ nannte er den Auftritt, bei dem Lilli Welcke (20.), Laura Kluge (40.), Ronja Hark (45.), Jule Schiefer (53.) und Emily Nix (58. Minute ins leere dänische Tor) trafen.

„In der Chancenverwertung ist sicher noch Luft nach oben“, meinte Nix, Trainer Jeff McLeod sieht, „wenn wir so agieren, auch eine gute Chance, gegen Japan zu gewinnen“. Das ist der Gegner am Samstag (21 Uhr MESZ, MagentaSport). Deutschland muss in der unteren Gruppe, in der außerdem noch Schweden und China antreten, zwei Teams hinter sich lassen, um das Viertelfinale mit den führenden Nationen zu erreichen.

China ist ein relativ unbekannter Gegner. In den 90er-Jahren, als das Frauen-Eishockey sich über die Kernmärkte Nordamerika und Skandinavien hinaus internationalisierte, zählte China zur erweiterten Weltklasse. Doch die Asiatinnen stürzten ab. Ihr Team war nach physischen Kriterien aufgebaut worden – die IIHF, der Weltverband, verbannte das körperbetonte Spiel aus dem Frauen-Eishockey. Checks wurden verboten. Das galt über Jahrzehnte.

Doch wie lange noch? „Das habe ich tatsächlich während des Spiele auf der Tribüne diskutiert“, sagt Künast. Die nordamerikanische Professional Women’s Hockey League, die sechs Profiteams unterhält, in denen auch zahlreiche Europäerinnen unter Vertrag stehen (Künast: „Drei Viertel des tschechischen Teams zum Beispiel“), erlaubt Checks. „Wir haben jetzt unterschiedliche Herangehensweisen an das Thema Härte“, stellt Künast fest. Das PWHL-Spiel nimmt bereits Einfluss auf die WM. „Es wird mehr laufen gelassen.“ Und so gibt es reichlich Körperkontakt. Die Regelgrenze ist als „illegal hit“ definiert.

Christian Künast gibt die Stimmung aus der deutschen Nationalmannschaft wieder, in der dank deutscher Bundeswehrstellen und amerikanischer Collegeplätze viele Spielerinnen ihr Eishockey professionell betreiben können: „Sie befürworten ein härteres Spiel. So wie es bei der WM gehandhabt wird, ist es ganz okay.“ GÜNTER KLEIN

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