„Meine Frau hatte eine Vorahnung“

von Redaktion

GOLF Der Münchner Stephan Jäger über seinen ersten PGA-Triumph und Namens-Probleme

Chattanooga – Ein Sieg auf der PGA-Tour ist ein Durchbruch – definitiv. Als erst vierter deutscher Profigolfer hat der Münchner Stephan Jäger (34) am vergangenen Wochenende in Houston/Texas ein Turnier in der Eliteliga des Golfsports gewonnen, damit sogar die Spielberechtigung fürs Masters in Augusta ab 11. April erworben. Wir haben mit ihm gesprochen.

Herr Jäger, wer waren die ersten Gratulanten?

Mein Kollege Joel Dahmen war der Erste. Seine Familie gehört zu unseren engsten Freunden. Wir gehen gemeinsam essen, unsere Kinder spielen in der Kita zusammen. Es hat mich sehr gefreut, dass sie bei meinem Sieg dabei waren. Auf dem Handy sind etwa 300 SMS- und knapp 100 WhatsApp-Nachrichten eingegangen, aber das ist alles abgearbeitet.

Sie haben am Samstag und Sonntag mit Scottie Scheffler gespielt. Wie war es, mit der Nummer eins in einer solchen Situation auf dem Platz zu sein?

Ich kenne Scottie schon seit ein paar Jahren. Er ist einfach einer der Besten. Das meine ich nicht nur sportlich, sondern auch von der Persönlichkeit her. Er ist ein angenehm geerdeter Typ. Wir hatten wirklich gute Gespräche. Eigentlich gar nicht so sehr über Golf, sondern mehr über Familie und das Leben an sich, denn seine Frau ist gerade hochschwanger und die beiden erwarten Ende April ihr erstes Kind.

Stimmt es, dass Ihre Frau vor dem Turnier gesagt hat: „Gewinn doch einfach das Ding, dann fahren wir wieder zurück ins neue Haus und danach nach Augusta!“?

Genau so war das. Hat sie hundertprozentig so gesagt. Eine verrückte Vorahnung. Jetzt sind wir diese Woche hier und fahren am Montag die dreieinhalb Stunden runter nach Augusta. Es wird mein erstes Mal sein, das ist sensationell. Wir freuen uns sehr auf den Par-3-Contest und das ganze Erlebnis drumherum. Das werden wir genießen.

Sie haben den Umzug erwähnt. Was steht eigentlich auf dem Klingelschild? Jäger oder doch Jaeger in der englischen Schreibweise?

Vor zwei Wochen sind wir in ein neues Haus in Chattanooga gezogen. Das ist nur einen Kilometer von unserem alten entfernt, aber etwas größer, sodass man da noch reinwachsen kann. Jetzt, wo wir einen Sohn haben. Und wer weiß, vielleicht kommen ja irgendwann in der Zukunft weitere Kinder dazu. Auf dem Klingelschild steht aktuell noch nichts, das haben wir noch nicht. Innen ist zwar schon alles fertig, aber außen schaut es da noch ziemlich wild aus. Es wird aber wahrscheinlich Jaeger mit „ae“ draufstehen, denn mit „ä“ geht in Amerika nicht viel. Das habe ich jetzt erst wieder gemerkt, als ich für meine Mutter einen Flug von Houston nach Chattanooga buchen wollte. Da habe ich dann Jäger mit „ä“ reingeschrieben, wie es in ihrem Pass steht. Aber du kannst in Amerika so nicht einmal einen Flug buchen.

Der Pokal für den Sieg bekommt sicher einen schönen Platz im neuen Haus?

Den Pokal habe ich noch gar nicht. Der wird mir nachträglich per Post zugeschickt, denn das Ding war ziemlich schwer. Ich denke, so 15 Kilo wird der haben. Sehr solides Glas. Auf jeden Fall bekommt er bei uns zu Hause einen Ehrenplatz. Ich habe im Keller so eine Art Man Cave, da steht ein Regal mit einigen Sachen, Trophäen und Fotos von den Siegen auf der Korn Ferry Tour und mehr. Da wird der neue Pokal dann in der Mitte stehen.

Sie vertreten Deutschland bei Olympia. Wann waren Sie das letzte Mal in Paris?

Noch nie. Das wird für meine Frau und mich das erste Mal. Wir werden im Sommer dort in einem Hotel wohnen, um die Stadt auch ein bisschen genießen zu können. Vielleicht bleibt hier und da auch etwas Zeit, ein paar andere Sportarten bei Olympia zu sehen. Wir freuen uns sehr darauf. Den Platz kenne ich nur von den TV-Übertragungen beim Ryder Cup damals. Er sieht sehr schwer aus mit dickem Rough, viel Wasser, aber ich freue mich auf die Herausforderungen. Wir werden sicher auch im Olympischen Dorf, in der Mensa oder mal im Kraftraum unterwegs sein, um das Olympia-Feeling aufzusaugen. Wir werden sehen, wie das logistisch alles machbar ist. Für mich sind es die ersten Olympischen Spiele, aber ich brauche meine Frau an meiner Seite, um Top-Leistung zu bringen. Da bin ich eben kein 21-jähriger Single mehr.

Wie viel Deutschland steckt eigentlich noch in Stephan Jäger?

Schon noch genügend. Ich bin zwar sehr früh im Alter von 16 Jahren in die Staaten gegangen und in der Phase bis etwa zum 25. Lebensjahr stark amerikanisiert worden. Aber so einige deutsche Tugenden gibt es da sicher noch: harte Arbeit zum Beispiel. Ich versuche, das Beste aus den beiden Kulturen zu kombinieren.

Wie geht es weiter, ändert sich der Turnierkalender?

Ja, da ändert sich schon ein bisschen was, da ich in mehr große Turniere reinkomme. Das lässt sich jetzt alles etwas besser planen und einteilen – vor allem mit den Major-Turnieren. Das gibt definitiv Planungssicherheit, die ich bislang so noch gar nicht kannte.

Kommen Sie auch nach Deutschland?

Das ist schwierig für mich, aber ich muss das in den nächsten Wochen mit meinem Team durchsprechen.

Interview: Thomas Kirmaier

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