Heidenheim – Es wäre ein Leichtes gewesen, am Samstagnachmittag Namen zu nennen. Aber immerhin auf diese letzte Auflösungserscheinung verzichteten die Protagonisten des FC Bayern nach dem 2:3 in Heidenheim. Die drei Gegentore durch Kevin Sessa (50.) und Doppeltorschützen Tim Kleindienst (51./79.) kreidete sich das Team im Kollektiv an. Was nichts daran änderte, dass Minjae Kim und Dayot Upamecano selbst genau wussten, dass sie in der Zentrale in einen rabenschwarzen Tag erwischt hatten.
„Ein langer Ball führt zum Gegentor, das war kein Meisterstück, wie wir das verteidigt haben“, sagte etwa Thomas Müller zur Entstehung des 2:1, dem 86 Sekunden später der Heidenheimer Ausgleich folgte. Sportvorstand Max Eberl beteuerte: „Da hängen alle mit drin“ – und sprach von einer „kollektiven Missleistung“. Die Worte von Thomas Tuchel aber ließen doch aufhorchen. Als „extrem sorglos“ bezeichnete der Trainer die Zweikampfführung vor den Gegentoren, individuell sei das „einfach zu schwach“. Ein Gruß, der vor allem bei den Innenverteidigern angekommen sein dürfte, die bei allen drei Gegentoren schlecht aussahen. Allen voran Kim, der zunächst ein Kopfballduell verlor und später zwei Mal viel zu viel Raum ließ, brauchte nach Abpfiff Aufbauhilfe.
Man kann davon ausgehen, dass der Südkoreaner Zeit bekommen wird, die Geschehnisse aufzuarbeiten. Denn das Experiment, das Tuchel in seiner Viererkette gewagt hat, ist derart schief gegangen, dass es in London am Dienstag wieder für beendet erklärt werden dürfte. „Total aus dem Ruder“ sei alles gelaufen, weil das Defensivverhalten in den zweiten 45 Minuten in der Voith-Arena gar nicht gestimmt hatte, sagte Sportdirektor Christoph Freund. Ein Fakt, den sich Tuchel ankreiden lassen muss. Schon am Tag vor dem Spiel hatte er angekündigt, dass die „Karten in der Abwehr neu gemischt“ werden.
Drei Mal hintereinander hatten zuvor Matthijs de Ligt und Eric Dier gemeinsam verteidigt, sich eingespielt und Sicherheit gewonnen. Bei der Abreise nach London sind am Montag nun vier verunsicherte Innenverteidiger an Bord. Zwei, die total untergegangen sind – und zwei, die wissen, dass sie das 100-prozentige Vertrauen nicht genießen. Bestehen müssen sie am Dienstag gegen niemand Geringeren als die beste Offensive der Premier League… hlr