London – Am Dienstag spielen die Bayern im Viertelfinal-Hinspiel der Champions League beim FC Arsenal. Bevor Aleksandr Hleb (42) mit dem FC Barcelona das Triple holte, spielte der Ex-Stuttgart-Star von 2005 bis 2008 bei den Gunners. 2006 stand der Belarusse mit Arsenal im Königsklassen-Finale, verlor aber mit 1:2 gegen Barca. Dieses Jahr traut Hleb den Londonern den großen Wurf zu, wie im Interview mit unserer Zeitung verrät.
Herr Hleb, was erwarten Sie von diesem Viertelfinal-Duell?
Sehr viele Fußballfans fiebern diesen zwei Partien entgegen. Arsenal spielt aktuell richtig gut. Sie haben eine sehr junge Mannschaft und zeigen wunderschönen Fußball. Der FC Bayern hat die Chance auf den Meistertitel und den DFB-Pokal vergeben. Jetzt konzentrieren sie sich nur noch auf die Champions League. Ich denke, dass es ein sehr gutes Spiel wird.
Wer ist Favorit?
Das kann man nicht sagen. Die Champions League ist ein ganz anderer Wettbewerb als die Meisterschaft. Mit welcher Motivation und Form die Mannschaften auftreten, ist also unterschiedlich. Ich sage, die Chancen stehen 50:50. Wer weniger Fehler macht und seine Torchancen nutzt, kommt weiter. Beide Mannschaften sind sehr stark – und gehören zu den besten der Welt.
Erinnert Sie dieses Arsenal an Ihre Zeiten unter Arsene Wenger?
Ja. Arsenal hat schon immer schönen, schnellen und technisch hochwertigen Kombinationsfußball gespielt. Deswegen finde ich, dass man dieses Team mit jenem von damals vergleichen kann. Mikel Arteta könnte in Wengers große Fußstapfen treten – wenn er auch große Titel gewinnt. Er macht einen super Job. Die Mannschaft zeigt sehenswerte Leistungen. Für Fans ist das einfach geil anzuschauen.
Dabei wurde 2020 nach dem schlechtesten Saisonstart Arsenals seit 39 Jahren schon über Artetas Rauswurf spekuliert. Nur ein Jahr, nachdem er das Traineramt übernommen hatte.
Die Vereinsbosse haben ihm aber auch während dieser schwierigen Zeit immer den Rücken gestärkt und unterstützt. Arteta hat das Vertrauen gespürt und eine Mannschaft gebaut, die immer besser wird. Im vergangenen Jahr haben sie leider ihre Möglichkeit auf den Meistertitel nicht nutzen können. Aber in dieser Saison hat Arsenal eine große Chance auf die Premier League und die Champions League.
Mit Kai Havertz ist auch ein Deutscher bei Arsenal wieder aufgeblüht. Wie sehen Sie ihn?
Gut. Aber bei Arsenal gibt es keinen schlechten Spieler. Arteta hat ihn geholt, das bedeutet sehr viel. Er vertraut Havertz – und das zahlt der auf dem Platz mit guten Leistungen zurück.
Auf welche Spieler muss Bayern noch aufpassen?
Man kann sich nicht nur auf einen Spieler konzentrieren. Jeder hat die Fähigkeit, etwas Besonderes zu machen und das Spiel zu entscheiden. In so einem hochklassigen Duell muss man sich auf seine eigene Leistung konzentrieren. Ein kleiner Fehler kann auf diesem Niveau entscheiden.
Beim FC Bayern sorgt Jamal Musiala – wie Sie früher – für die magischen Momente.
Ein sehr guter Spieler. Mir gefallen kreative Spieler, die ins Dribbling gehen. Er kann Spiele entscheiden.
Wie schätzen Sie die Münchner generell ein?
In der Meisterschaft ist Leverkusen praktisch nicht mehr einzuholen. Bayern will jede Saison jeden Titel gewinnen. Mental ist es daher schwierig für sie aktuell. Nichtsdestotrotz ist der FC Bayern ein Topverein. Sie werden all ihre Kraft auf die Champions League legen.
2008 wären Sie beinahe beim deutschen Rekordmeister gelandet. Richtig?
Stimmt. Es hat aber nicht geklappt. Der FC Barcelona wollte eine schnelle Entscheidung von mir. Bayern hat noch ein bisschen gewartet. Daher habe ich bei Barca unterschrieben. Das war damals die beste Mannschaft der Welt. In dieser Saison haben wir die spanische Meisterschaft, den Pokal und die Champions League gewonnen. Es gibt Schlimmeres … (lacht)
Interview: Philipp Kessler