Als der FC Bayern am 21. Februar verkündete, mit Thomas Tuchel bis zum Saisonende als Cheftrainer weiterzumachen und erst nach dieser Spielzeit getrennte Wege zu gehen, meldete sich Tuchel-Berater Olaf Meinking in den sozialen Medien zu Wort. Auf Instagram lud er ein Bild von sich im Spielertunnel der Allianz Arena hoch und schrieb dazu „durchgezogen“. Durchgezogen? Nein, runtergezogen! Denn: Als besagtes Foto des Tuchel-Intimus entstand, betrug der Rückstand der Münchner auf Spitzenreiter Bayer Leverkusen acht Punkte. Mittlerweile hat sich der Vorsprung der Werkself mit 16 (!) Zählern verdoppelt. Der Plan der Münchner Chefetage, mit Tuchel bis Saisonende durchzuziehen und auf einen Knotenlöser-Effekt zu hoffen, ist gehörig nach hinten los gegangen. Zahlen lügen bekanntlich nicht.
Vorstandschef Jan-Christian Dreesen war bei der Verpflichtung des gebürtigen Krumbachers im März vergangenen Jahres zwar außen vor – weil ihn der damalige Sportvorstand Hasan Salihamidzic gemeinsam mit Ex-CEO Oliver Kahn für Julian Nagelsmann installierte –, doch mit seiner Entscheidung, an Tuchel festzuhalten, ist er für die sportliche Talfahrt mitverantwortlich. Und auch dafür, in welchem Zustand Tuchel den Club hinterlässt und wie sehr die Außendarstellung der Münchner dieser Tage leidet. Nun liegt es an Sportvorstand Max Eberl in enger Zusammenarbeit mit Sportdirektor Christoph Freund, die Scherben zusammenzukehren.
Es lässt tief blicken, wenn ein erfahrener Bundesliga-Manager öffentlichkeitswirksame Aussagen trifft wie „Ich bin überrascht über die wenige Stabilität“ oder „Wir sitzen da alle drin und haben alle dieses Bayern-Wappen auf der Brust“. Eberl spürt, dass der FC Bayern im Frühjahr 2024 für einen neuen Trainer nicht wie ein attraktiver Arbeitgeber wirkt. Das hat freilich auch mit der Kaderzusammenstellung der vergangenen Jahre zu tun: Zu viele titelverwöhnte Spieler wurden mit zu hoch dotierten Verträgen ausgestattet. Nicht umsonst stellt der Sportvorstand klar: „Es ist nicht immer nur ein Trainerproblem.“ Im Falle von Tuchel ist es aber auch ein Trainerproblem, das nicht rechtzeitig gelöst wurde.
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