Van der Poel bezwingt die Hölle

von Redaktion

PARIS-ROUBAIX 60-km-Solo wird zur Machtdemonstration – Politt verpasst das Podium knapp

Roubaix – Nils Politt streckte sich vergeblich. Zum Auftritt auf dem Podest und dem erhofften Pflasterstein von Paris-Roubaix fehlten dem deutschen Radprofi nur Zentimeter. Mit letzter Kraft hatte Politt im legendären Velodrom von Roubaix eine finale Attacke gesetzt. Der ganz große Lohn für einen mutigen Auftritt in der „Hölle des Nordens“ blieb ihm jedoch verwehrt.

Bei der One-Man-Show des siegreichen Weltmeisters Mathieu van der Poel (bei den Frauen gewann Lotte Kopecky) musste sich Politt im Zielsprint der Verfolger mit den undankbaren vierten Platz begnügen. „Die Beine waren gut. Leider hatte ich zwei schnelle Fahrer an meiner Seite, aber ich kann zufrieden sein“, sagte Politt nach der schnellsten Roubaix-Ausgabe der Geschichte (47,802 km/h).

Drei Minuten betrug der Rückstand des Trios um Politt, den zweitplatzierten Sanremo-Sieger Jasper Philipsen (Alpecin-Deceuninck) und dem Dritten Mads Pedersen (Lidl-Trek) aus Dänemark.

Sie alle hatten gegen einen nicht den Hauch einer Chance: Mathieu van der Poel war längst als Sieger vom Rad gestiegen, als Politt und Co. um die Plätze stritten. Vorausgegangen war ein denkwürdiges 60-km-Solo des Titelverteidigers.

Kein Defekt, kein Sturz und unschlagbare Beine: Nach 259,7 Kilometern – 55,7 km davon über das berüchtigte Kopfsteinpflaster – fuhr der Superstar vom Team Alpecin-Deceuninck am Sonntag zum Sieg bei der 121. Roubaix-Ausgabe. „Es war nicht wirklich geplant. Ich wollte das Rennen schwer machen, das ist meine Stärke. Ich hatte einen ziemlich guten Tag“, sagte van der Poel. Der 29-Jährige hatte am vergangenen Wochenende bereits die Flandern-Rundfahrt gewonnen.

Die großen Sturzdramen der vergangenen Wochen setzten sich nicht fort. Vereinzelte Unfälle blieben nicht aus, die schlimmsten Befürchtungen bewahrheiteten sich aber nicht. Der größte Crash ereignete sich in der stressigen Anfangsphase weit vor dem ersten Pave-Sektor. 37 km nach den Start kamen in einer Ortschaft rund 20 Fahrer zu Fall, darunter Politt und Jonas Rutsch (EF Education-EasyPost). Für Rutsch war das Rennen gelaufen. Zu weiteren Massenstürzen kam es nicht.

Die Führungsgruppe um van der Poel war früh dezimiert, Politt und Degenkolb überstanden die erste große Selektion dank cleverer und wachsamer Fahrweise. Politt wechselte später sein Rad wegen eines Defekts, fand aber schnell wieder den Anschluss.

Die Spitzengruppe raste geschlossen auf die berüchtigte Schlüsselstelle Wald von Arenberg zu. Die neue Schikane vor der gefürchteten Passage, die die Gefahr für die Fahrer reduzieren sollte, hatte im Vorfeld für Kontroversen gesorgt. Zwischenfälle blieben aus. Auch die enge Waldschneise überstanden die Radprofis unbeschadet.

Politt wagte wenig später eine mutige Attacke und setzte sich mit zwei weiteren Fahrern zwischenzeitlich eine knappe Minute ab. Ins Ziel rettete der Deutsche den Vorsprung aber nicht.

Nichts entgegenzusetzen war stattdessen der Attacke van der Poels. Der Niederländer zündete 60 km vor dem Ziel auf dem Pave-Sektor in Orchies den Turbo und zog davon. Die Rivalen waren sich in der Verfolgung zunächst nicht einig. Van der Poel flog über das Pave, baute seinen Vorsprung sukzessive aus und war nicht mehr einzuholen.  sid

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