Nagelsmanns 23er-Kader

Ein Blick nach München reicht

von Redaktion

HANNA RAIF

Um sich ein Bild davon zu machen, wie tief ein optimaler Kader sein muss, lohnt sich ein Blick auf 2014. 18 Spieler setzte Joachim Löw auf dem Weg zum WM-Triumph von Rio ein – was im Umkehrschluss heißt: Fünf Nominierte verließen Brasilien ohne eine einzige Einsatzminute. Zwei Ersatzkeeper waren dabei, dazu aber auch Feldspieler wie Eric Durm, Kevin Großkreutz und Matthias Ginter. Das Quintett hatte vielleicht keine müden Beine, aber genauso Höchstleistung gebracht wie die Teamkollegen. Über das besondere Klima, das die Elf damals zum Titel trug, wird bis heute gesprochen.

Wenn sich die DFB-Elf Ende Mai im Weimarer Land trifft, sind wieder Akteure dabei, die auf den deutschen EM-Spielfeldern nur Statisten sein werden. Ihre Namen werden sich erst im Laufe des Turniers herauskristallisieren – mal ehrlich: wer hatte 2006 gedacht, dass plötzlich David Odonkor durchstartet? Schon jetzt aber ist eine Debatte darüber entfacht, wie viele „Maskottchen“ man mitnehmen darf bzw. soll. Während die UEFA überlegt, die Zahl der Aktiven pro Land wie schon 2021 auf 26 zu erhöhen, ist die Sache für den deutschen Bundestrainer klar. Julian Nagelsmann reichen auf dem Weg zur schweren Mission Heim-Titel 23 Akteure – so oder so. Sein Argument: lieber gute Stimmung in kleinerer Gruppe als schlechte im größeren Kreis.

Der Gedankengang mag ungewöhnlich klingen – warum nicht die Chance nutzen, bei der Nominierung weniger harte Entscheidungen verkünden zu müssen? –, er ist mit Blick auf das DFB-Team aber nachvollziehbar. Denn auch wenn die Historie der DFB-Elf positive Beispiele parat hält, stützt das Hier und Jetzt Nagelsmanns These. Der Blick auf jenes Team, das er selbst vor einem guten Jahr nicht ganz freiwillig an Thomas Tuchel weitergegeben hat, lohnt sich da besonders. Die Münchner Kabine zeigt schon lange Auflösungserscheinungen.

Die Frage, wer daran schuld ist, ist müßig – und tut für den DFB auch nichts zur Sache. Aber Nagelsmann ist inzwischen erfahren genug, um zu wissen, dass mehr Spieler im Aufgebot auch mehr Arbeit für den Trainer bedeuten. Warum also nicht bei der 2014er-Linie bleiben? Was allerdings auch bedeutet, dass Leon Goretzka und Mats Hummels ein Schicksal droht, das damals Kevin Volland, Shkrodan Mustafi und Marcel Schmelzer erleiden mussten. Ihren Frust allerdings bewältigten sie: daheim.

Hanna.Raif@ovb.net

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