Gruß an Goretzka und Hummels

von Redaktion

UEFA debattiert über 26 Spieler im EM-Kader – Nagelsmann braucht sie nicht

Düsseldorf – Die Vorstellung von gelangweilten oder gar nörgelnden EM-Stars ist Julian Nagelsmann ein Graus. Also entwirft der Bundestrainer mitten in der von Holland-Coach Ronald Koeman entfachten Debatte über eine Aufstockung der Turnierkader bei der Fußball-Europameisterschaft von 23 auf 26 Spieler einen revolutionären Gedanken. Möglicherweise wird Nagelsmann für das Heimturnier weniger Spieler in die Nationalmannschaft berufen, als es ihm die Regularien erlauben könnten.

„Man das offenhalten kann. Man kann ja eine maximale Anzahl von 26 benennen und jeder kann entscheiden, ob er weniger mitnimmt“, sagte der Bundestrainer nach dem Workshop der UEFA für die EM-Teilnehmer am Montagabend in Düsseldorf. Einen freiwilligen Verzicht auf Personaloptionen hat es bei großen Turnieren noch nicht gegeben.

Nagelsmann setzt damit gut sechs Wochen vor der Kaderbekanntgabe seinen neu definierten Personalkurs fort. Lieber hungrige Herausforderer als potenzielle Querulanten. Mit dieser Argumentation – wenn auch etwas freundlicher verpackt – hatte er auch schon die Streichung vermeintlich fixer EM-Fahrer wie Mats Hummels und Leon Goretzka aus seinem März-Kader begründet, denen er die Rolle als Backup-Spieler nicht zutraute. Die Erfolge in Frankreich (2:0) und gegen die Niederlande (2:1) gaben ihm schnell recht.

Die UEFA schloss wenige Wochen vor dem Turnierstart eine Überarbeitung der Regeln nicht aus. Man habe „die verschiedenen Meinungen und Standpunkte zur Kenntnis genommen und wird in den kommenden Wochen eine endgültige Entscheidung treffen“, hieß es in einem Statement nach dem Team-Workshop der 24 EM-Teilnehmer in Düsseldorf.

Nagelsmann selbst plädiert für einen kleineren Kader, will aber nicht als Spielverderber für andere in Erscheinung treten. „Ich bin generell eher bei 23, kann aber auch alle Argumente für 26 verstehen“, betonte der 36-Jährige vor seinem ersten Turnier als DFB-Chefcoach. Ähnlich äußerte sich in Düsseldorf der Schweizer Nationalcoach Murat Yakin – am 23. Juni in Frankfurt der letzte deutsche Gruppengegner. Auch Österreichs Cheftrainer Ralf Rangnick kann sich eine solche flexible Regelung vorstellen.

Nagelsmann bringt vor allem Teambuilding-Argumente für seine Haltung vor. „Wenn du eine Abteilung hast, 20 arbeiten und 10 sitzen herum, weil sie nichts zu tun haben, ist es okay. Aber wenn du das Verhältnis andersherum hast, 10 arbeiten und 20 sitzen herum, dann wird es eng, dass die Abteilung noch eine gute Stimmung hat“, erläuterte er.

Auch im Vereinsfußball würden nicht Mammutkader den Erfolg bringen, konstatierte der Bundestrainer. „Am Ende sind es in allen Vereinen, die erfolgreich sind, 14 oder 15, die die Minuten sammeln und fünf sechs, kriegen fünf Prozent der Spielzeit. Da muss man sich schon überlegen, ob das sinnvoll ist“, sagte er. Eher als Hummels oder Goretzka dürften sich vermutlich Perspektivspieler wie Aleksandar Pavlovic vom FC Bayern, Jan-Niklas Beste vom 1. FC Heidenheim oder auch Maximilian Beier von der TSG Hoffenheim Hoffnungen auf einen Zusatz-Platz machen, sollte Nagelsmann doch noch aufstocken.  dpa

Artikel 1 von 11