Laute Kritik nach Lautsprecher-Panne

von Redaktion

1860 und das Stadion: Fraktion ÖPD/München-Liste stellt Stadt als Sport-Organisatorin infrage

VON ULI KELLNER

München – Wer spät dran war, Infos über Liveticker bezog oder in einem der angrenzenden Wirtsgärten saß, war fein raus. Viele Löwen-Fans standen am Samstag jedoch vor den Toren des Grünwalder Stadions, die bis zur geplanten Anstoßzeit um 14 Uhr verschlossen blieben. Der Grund: Erst nach und nach sprach er sich herum. Das Problem: Es gab keine Mitteilung über Lautsprecher, denn genau um die ging es ja. Nicht zum ersten Mal streikte die Technik in der Spielstätte des TSV 1860, die zwar die teuerste in der 3. Liga ist, ihren Hauptmieter aber immer häufiger vor Probleme stellt.

Schneebedingte Absage des Essen-Spiels (Dezember), Probleme beim Bier-Ausschank gegen Ulm (März) – nun der Ausfall der sicherheitsrelevanten Beschallungsanlage. Nur weil die Feuerwehr den Ordnern kurzfristig Megaphone zur Verfügung stellte, konnte das Heimspiel gegen Köln angepfiffen werden – mit einer Stunde Verspätung und ohne die sonst üblichen Durchsagen, auch von Werbepartnern („Die Gelbe Karte wird ihnen präsentiert von . . .“), die viel Geld für ihre Firmennennung bezahlen.

Vom TSV 1860 hat sich bislang kein offizieller Vertreter zum Boxen-Ärger zu Wort gemeldet – dafür am Dienstag (öffentlichkeitswirksam) die Fraktion ÖPD/München-Liste. Augenzeugen hätten berichtet, dass die wartenden Fans „sehr beunruhigt“ gewesen seien, heißt es in einer Pressemitteilung. Da kein Informationsfluss möglich war, hätten „schnell Gerüchte die Runde gemacht“, eine Bombendrohung sei der Grund für die verschlossenen Stadiontore. „Chaos im Sechzger-Stadion muss ein Nachspiel haben!“ heißt es in der Anlaufzeile des Schreibens. „Für uns passt es nicht zusammen, dass sich die Landeshauptstadt München gewappnet fühlt, die Olympischen Spiele auszutragen, es aber gleichzeitig nicht hinbekommt, ihr eigenes Stadion in der Grünwalder Straße so in Schuss zu halten, dass ein geregelter Spielbetrieb möglich ist“, stellt der Fraktionsvorsitzende Tobias Ruff die Eignung der Stadt als Sport-Organisatorin infrage.

Konkret möchten Ruff und seine Mitstreiter Folgendes von OB Dieter Reiter, dem Adressaten ihres Schreibens, wissen: „1. Wie wird die Landeshauptstadt München als Vermieterin (…) dafür sorgen, dass das Stadion durch die verschiedenen Vereine problemlos genutzt werden kann? 2. Um wie viel Prozent wurde die Stadionmiete aufgrund der vermehrten Aus- und Zwischenfälle gemindert? 3. Welche Sicherheitsrisiken ergeben sich aus den vermehrten Strom- und Technikausfällen? 4. Kann die Elektrik vor der geplanten Sanierung schon vorab so instandgesetzt werden, dass ein regulärer Spielbetrieb gewährleistet werden kann?“

Nicht der OB selbst, aber das zuständige Referat für Bildung und Sport nahm vorab zum Fragenkatalog Stellung. Auf Anfrage unserer Zeitung hieß es, beim Pretest am Vorabend sei noch alles mit der Anlage in Ordnung gewesen, der Ursache des Ausfalls werde auf den Grund gegangen. Ein Sprecher erklärte: „Die Anlage soll vom Baureferat und von einer externen Firma weiteren Funktionsprüfungen unterzogen werden.“

ÖPD-Mann Ruff, gebürtiger Münchner, setzt auf eine zügige, seriöse Auseinandersetzung mit den Problemen: „Wir fordern die Stadt auf, schnellstens die technischen Mängel so weit zu beheben, dass es wieder die einzige Zitterpartie bei Heimspielen ist, ob sich die Löwen auf dem Fußballplatz durchsetzen.“

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