Das große kanadische Versprechen

von Redaktion

Mit Nadals Hilfe: Auger-Aliassime will über München zurück an die Spitze

VON LEON AMANN UND MATHIAS MÜLLER

München – Felix Auger-Aliassime (23) hat in seiner Karriere bereits einige Rekorde gebrochen – Kanadas Aushängeschild war mit 14 Jahren der jüngste Turniersieger auf der Challenger-Tour und vier Jahre später der jüngste Finalist bei einem ATP-500er-Turnier. Zudem hat er eine große Gemeinsamkeit mit Tennis-Legende Roger Federer (42): beide haben am 8. August Geburtstag.

Nach seinen ersten Erfolgen auf der Tour und seinem Vorstoß auf Rang sechs der Weltrangliste (2022) waren die Erwartungen ähnlich hoch. Doch zuletzt stockt die Entwicklung, auch aufgrund von Knieproblemen, etwas. Bei seinem Debüt bei den BMW Open am Dienstag gegen den Nürnberger Maximilian Marterer schlägt Auger-Aliassime (gesprochen: „Au-shay-Alia-sim“) als Nummer 35 der Welt auf. Das Abrutschen in der Rangliste brachte den smarten Youngster auch nach München und nicht wie in den vergangenen Jahren zum höher kategorisierten Turnier in Barcelona. „Hier ist das Feld kleiner und ich habe die Hoffnung, gut spielen zu können.“ Und vor allem mehrere Runden.

Bis zu einem möglichen Finaltriumph ist der Weg allerdings auch beim vermeintlichen kleineren Turnier am Aumeister weit. „Mit Zverev, Rune und Fritz ist die Konkurrenz groß. Du musst bereit sein, dein bestes Tennis zu zeigen, um hier weit zu kommen“, so der 23-Jährige. An seiner Seite hat er in den kommenden Tagen auch seinen Vater Sam, der im ihn jungen Jahren als Tennistrainer die ersten Schritte beibrachte. Heute hält sich der Togolese, der in Kanada Felix’ Mutter Marie Auger heiratete, aus der Förderung seines Sohn heraus.

Dafür arbeitet der Kanadier seit April 2021 mit Toni Nadal (Onkel und Ex-Coach von Rafa Nadal), einem nachgewiesenen echten Sandplatz-Experten zusammen. Er habe viel von dessen Erfahrung gelernt, so Auger-Aliassime. Umso erstaunlicher: Auf Sand konnte er auf ATP-Ebene bisher noch keinen Pokal hochstemmen, seine fünf Titel holte der 1,93-Meter-Mann auf Hartplatz. Seine einzigen Sandplatz-Erfolge liegen zehn Jahren zurück – auf der Challenger Tour gewann er in Lyon (zweimaliger Sieger) und Sevilla. Beirren lässt sich Auger-Aliassime davon nicht. „Ich kenne meine Qualität. Ich weiß, dass ich gut spielen kann – auch auf Sand. Ich will zeigen, dass ich nicht nur ein Hartplatz-Spieler bin.“

Der Kanadier baut sein Spiel, ähnlich wie Alexander Zverev, mit kraftvollen Aufschlägen und der Fähigkeit, Spiele von der Grundlinie zu dominieren, auf. Zuletzt in Monte Carlo schaffte er es dennoch nur in die zweite Runde und unterlag dort dem Italiener Lorenzo Sonego (4:6, 5:7). Besonderen Druck spürt er dennoch nicht, wie er vor seinem ersten München-Auftritt versicherte: „Die Erwartungen der anderen sind nicht größer, als meine eigenen. Ich glaube an mich und weiß, dass ich im Sport große Dinge erreichen kann. Druck ist also etwas, mit dem ich umgehen muss und das habe in den vergangen Jahren gelernt.“

In Deutschland stand Auger-Aliassime in zwei Finals (2021 Stuttgart, 2020 Köln), konnte aber keines gewinnen. In Köln scheiterte er an Zverev – ein auch in dieser Woche theoretisches Szenario, da sich die beiden frühestens im Endspiel begegnen. An das wichtigste Sandturnier, die French Open, denkt Auger-Aliassime noch nicht: „Es ist ein Klischee, aber es ist wichtig im hier und jetzt präsent zu sein, Spaß dabei zu haben und nicht zu weit nach vorne zu schauen.“

Gemeinsamkeit mit Roger Federer: der Geburtstag

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