Deutschlands Olympia-Hoch

Die Sport-Politik kann nichts dafür

von Redaktion

MATHIAS MÜLLER

Die deutsche Olympiamannschaft in Paris dürfte diesen Sommer ziemlich umfangreich ausfallen. „Schuld“ sind die Ballsportarten. Seit dem Tiefpunkt vor zwölf Jahren in London – damals waren im Fußball, Handball, Basketball und Wasserball weder Frauen noch Männer qualifiziert, haben sich die DOSB-Teams in den vergangenen Jahren wieder zurück in die Weltspitze gearbeitet. Durch den Quali-Coup der Handball-Frauen am Samstag gegen Montenegro (immerhin EM-Dritter), kämpfen – Stand jetzt – schon mindestens acht Mannschaften an der Seine um Edelmetall. Das deutsche Sportsystem kann für diesen Aufschwung aber eher nichts, wohl eher liegt es an individuellen Leistungen und verantwortlichen Personen.

Bei den Handballerinnen hat Trainer Markus Gaugisch, zuvor hochdekorierter Coach bei Seriensieger Bietigheim, seit zwei Jahren das Sagen. Zwar verpasste auch er bei den vergangenen WM das anvisierte Medaillenziel, doch Gaugisch hat das Team merklich stabilisiert. Die Herren hatten (auch) etwas Glück mit der Auslosung. Zwei Siege gegen Algerien und Österreich reichten.

Bei den Basketballern hat Coach Gordon Herbert eine eingeschworene Gemeinschaft geschaffen, auch weil er einen guten Draht zu Anführer Dennis Schröder hat. Und nebenbei wurde mit dem WM-Triumph Geschichte geschrieben. Auch die Korb-Damen funktionieren zusammen – und haben in den Sabally-Schwestern und Leonie Fiebich einfach großartige Einzelkönnerinnen.

Im Hockeyverband wird eine souveräne Qualifikation eigentlich von vornherein vorausgesetzt – und alle vier Jahre genauso erfüllt. Die zwischenzeitlichen Tiefs der anderen Ballsportarten, zeigen wie hoch diese Leistungen einzuschätzen sind.

Bleiben von den großen Sportarten noch die Volleyballer. Während die Damen noch zittern, haben die Herren mit Siegen gegen eigentlich übermächtige Konkurrenten ihr eigenes kleines Märchen geschrieben. Nicht unwesentlich beteiligt: der 39-jährige Rückkehrer Georg Grozer. Noch so ein Einzelkönner und kein Produkt einer Leistungssportreform.

mathias.mueller@ovb.net

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