Gefahr in der Komfortzone

von Redaktion

Mainz hat einen Lauf und sorgt für Nervosität in Wolfsburg, Berlin, Bochum

München – Nenad Bjelica bat die Medien um „Mithilfe in der Analyse“. Auf keinen Fall sei es nun angesagt, über sein Team, den 1. FC Union Berlin, „lauwarm zu reden“. Der Kroate, der die Trainerstelle vom glücklosen Vereinsheiligen Urs Fischer übernommen hatte, sieht die Mannschaft in einer sehr gefährlichen Situation, nämlich: „In der Komfortzone.“ Sie ließe sich einreden oder tue es selbst, dass sie in der Tabelle doch gar nicht so schlecht dastehe. „Wir versuchen“, sagte der nach der 0:2-Niederlage in Augsburg verärgerte Bjelica, „wir Barcelona zu spielen, doch sind im dicken Abstiegskampf. Das muss jeder verstehen.“ Bezeichnend war: Gegen den FCA lief es eigentlich ganz gut – ehe man das Geschenk auspackte: den Fehlpass des Jahres von Diogo Leite auf Augsburgs Philipp Tietz. 1:0. Es passte dann, dass das 2:0 für den FCA Sven Michel erzielte – voriges Jahr noch Unioner.

Wer fünf Runden vor Saisonschluss unter der 30-Punkte-Marke liegt, muss sich um den Klassenerhalt sorgen. Darmstadt ist längst abgeschlagen, der 1. FC Köln hatte nun das Pech, beim FC Bayern antreten zu müssen – das 0:2 unterbrach den kleinen Lauf, der unter dem neuen Trainer Timo Schultz aufgenommen worden war. Doch auch Bochum (1:1 gegen Heidenheim), Wolfsburg (0:3 in Leipzig) und Union schwächeln. Ihr Abwärtstrend trifft auf den Aufschwung beim FSV Mainz 05, der mit der Person von Bon Henriksen verbunden ist. Der Däne trieb seine Spieler nach einem 0:1-Rückstand zu einem 4:1-Triumph über Hoffenheim. Das erinnert an die Mainzer Rückrunde 2021 unter dem anderen dänischen Bo: Bo Svensson. „Wir haben das Gefühl, dass wir gegen alle gewinnen können. Wir müssen jagen, das ist unsere DNA“, predigt Henriksen. Die Ansagen und die Mainzer Ergebnisse haben einen Effekt auf die Tabellennachbarn. „Bochum, Wolfsburg und Union werden nun nervös“, so 05-Sportdirektor Martin Schmidt.

Auch Bochum hat nun den Trainer gewechselt (Heiko Butscher für Thomas Letsch), Wolfsburg hat mittlerweile drei Spiele unter Ralph Hasenhüttl als Nachfolger von Niko Kovac hinter sich – und nur drei Punkte geholt. Beim VfL läuft alles nach dem Muster vergangener Jahre, in denen die finanziell opulent ausgestattete Fußballabteilung des Volkswagen-Konzerns in Abstiegskampf-Turbulenzen geraten ist. Panisch wurde Geschäftsführer Marcel Schäfer von seinen Aufgaben entbunden, nachdem er Gespräche mit Leipzig geführt hatte. 17 Jahre, beginnend als Spieler, war er im Verein – und wenn es eine Konstante beim VfL gab, war er es.

Wolfsburg gegen Bochum, Köln gegen Darmstadt – der kommende Spieltag hält zwei Aufeinandertreffen von Teams von unten bereit. Selbst bei Mönchengladbach (31 Punkte) ist Unbehagen verspürbar, wenn es nach Hoffenheim geht. Und Union Berlin hat die Bayern zu Gast, die entweder beschwingt von der Champions League sein werden – oder zornig. Nenad Bjelica kann sicher sein: Nach Komfortzone wird es sich nicht anfühlen. GÜNTER KLEIN

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