Augusta – Erst der Rekord, dann der historische Einbruch: Golf-Superstar Tiger Woods musste den Traum von seinem sechsten Triumph beim 88. Masters in Augusta nach einer desaströsen dritten Runde begraben. Der langjährige Weltranglistenerste spielte am Samstag eine 82 und lag damit zehn Schläge über Par – es war die schlechteste seiner bis dahin 99 Runden in Augusta.
Keiner der Konkurrenten war schlechter als Woods, drei weitere Golfer spielten ebenfalls eine 82 – darunter der 61 Jahre alte Veteran Vijay Singh (Fidschi), der überraschend den Cut überstanden hatte.
Erst viermal zuvor in seiner epochalen Karriere hatte Woods eine Runde mit 80 oder mehr Schlägen gespielt, erst zweimal bei einem Major – bei den British Open 2002 (81) und bei den US Open 2005 (80).
Nachdem Woods am Vortag zum 24. Mal in Folge beim Masters den Cut geschafft und damit einen Rekord aufgestellt hatte, kam der 15-malige Major-Champion auf der dritten Runde zunehmend in die Bredouille. „Ich hatte keine wirklich gute Aufwärm-Session – und das hat sich dann durch den Tag gezogen. Ich habe den Ball einfach an Stellen geschlagen, von denen ich weiß, dass ich ihn da nicht hinschlagen sollte“, sagte Woods später ratlos. Der 48-Jährige, der bei einem Autounfall 2021 schwere Beinverletzungen erlitten hatte, wirkte zeitweise, als habe er Schwierigkeiten, die Runde zu laufen.
Am Freitag hatte Woods bei acht Schlägen Rückstand noch erklärt, an seine Chance auf den Gewinn seines sechsten Grünen Jacketts und die damit einhergehende Einstellung des Rekords von Jack Nicklaus zu glauben. Nach dem dritten Tag war diese Chance dann aber dahin.
Der große Jack Nicklaus bleibt damit vorerst einziger Golfer mit sechs Masters-Siegen. Woods selbst traut sich trotz des jüngsten Desasters einen weiteren Sieg in Augusta zu, wie er bekräftigte. Dann wäre er Altersrekordler: Nicklaus war bei seinem letzten Triumph 1986 46 Jahre alt.
Am Cut gescheitert war bei seinem Masters-Debüt der Münchner Stephan Jäger. Sein Potenzial hatte er am Donnerstag zumindest noch andeuten können. Mit einer 74er-Runde bewahrte er die Hoffnung auf den Sprung ins Wochenende. Die Ernüchterung folgte dann am Freitag. Der Start missglückte, der starke Wind tat sein Übriges. Sieben Bogeys, ein Doppel-Bogey, nur ein Birdie auf dem Par-72-Kurs, so seine Bilanz am Freitag. Jäger kam auf insgesamt 154 Schläge – Cut verpasst. Für den 34-Jährigen wird seine Premiere beim Masters dennoch eine besondere Erinnerung bleiben. Geschafft hatte er den Sprung nach Augusta mit seinem Überraschungserfolg beim PGA-Turnier in Houston vor zwei Wochen. Dieser Sieg bescherte ihm eine Tourkarte für die kommenden zwei Jahre.
Der Weltranglistenerste Scottie Scheffler hatte vor der letzten Runde am Sonntag beste Chancen auf seinen zweiten Sieg im Augusta National Golf Club. Der 27 Jahre alte Star aus den USA hatte am Samstag an der Magnolia Lane eine 71er-Runde geschafft und lag vor der Finalrunde mit insgesamt 209 Schlägen vor seinen Landsleuten Collin Morikawa (210) und Max Homa (211). sid