München – Kingsley Coman (27) machte das doppelte Dutzend gegen Köln perfekt: Der Flügelspieler des FC Bayern zog sich ohne gegnerische Einwirkung eine Muskelbündelverletzung in den rechten Adduktoren zu und wird den Münchnern laut Vereinsangaben „mehrere Wochen“ fehlen. Es ist bereits die 24. Muskelverletzung in dieser Saison, sehr zum Ärger von Trainer Thomas Tuchel: „Es ist wieder ein Spieler, der aus einer Verletzung kommt, freigegeben wird und wir die Minuten managen. Trotzdem können wir es nicht verhindern. Das ist extrem bitter.“
Aber wer genau gibt die Spieler frei? Das geschieht in enger Absprache zwischen medizinischer Abteilung, Fitness- und Reha-Coaches und dem Trainerteam. Prof. Dr. Holger Broich ist als Wissenschaftlicher Leiter und Leiter Fitness die Schnittstelle all dieser Bereiche – und die vielen Verletzungen bringen auch ihn in die Bredouille. Nicht umsonst kündigte Sportdirektor Christoph Freund nach dem Spiel gegen Köln an, dass am Saisonende auch der Fitness- und Rehabereich auf den Prüfstand kommt: „Es zieht sich durch die ganze Saison, leider. Das ist alles andere als optimal. Wir diskutieren intern, an was es liegen könnte. Es ist keine gute Situation. Das Ziel ist, dass wir mit weniger Verletzungen durch die nächste Saison gehen.“
Wie pikant das Thema ist, wurde auch bei der Pressekonferenz am Samstag nach Abpfiff deutlich. Als Tuchel mit der Vermutung von Sky-Experte Didi Hamann konfrontiert wurde („Entweder trainieren die zu viel oder zu wenig. Mein Gefühl ist, dass die zu wenig trainieren. Das habe ich auch gehört“), antwortete der Trainer dünnhäutig und sarkastisch: „Kann ich nicht drauf antworten. Didi weiß es natürlich.“ Umgehend schaltete sich Pressesprecher Dieter Nickles ein: „Vielleicht kommen wir ein bisschen davon ab, Bewertungen von außen sofort beantworten zu müssen.“
Die vielen Verletzungen nerven den gesamten Club. „Diese Saison haben wir ganz selten mit derselben Aufstellung spielen können“ stellte Freund fest. Ein Nachteil für Bayern.
Broich und sein Team genießen im Verein einen guten Ruf. Trotzdem beschäftigen viele Stars zusätzlich private Fitnesstrainer, was Broich nicht immer gutheißt. Seine Befürchtung: Wenn er die Trainingspläne der Spieler nicht im Detail kennt, kann er die Trainingssteuerung nicht optimal planen. „Ich glaube schon, dass die Gedanken der Spieler heutzutage mehr um den eigenen Körper kreisen als es vielleicht in früheren Zeiten der Fall war“, bestätigt Routinier Thomas Müller die kollektive Eigeninitiative innerhalb der Mannschaft. Trotzdem ist die Muskel-Misere diese Saison auffallend groß. Zu groß. bok, vt