So plant Bayern die Arsenal-Attacke

von Redaktion

Mit den Fans im Rücken und einer Überfall-Taktik sollen die Londoner geknackt werden

VON MANUEL BONKE UND VINZENT TSCHIRPKE

München – Als sich die Stars des FC Bayern nach dem mühevollen 2:0 (0:0) gegen den 1. FC Köln vor der Südkurve formierten, machten die Fans lautstark deutlich, worauf sie sich trotz der weitgehend verkorksten Saison freuen: „Europapokal, Euroapokal Eu-ro-pa-po-kal!“

Die Anhänger des deutschen Rekordmeisters spielen in den Plänen für das Viertelfinal-Rückspiel gegen den FC Arsenal am Mittwoch (21 Uhr, DAZN) eine entscheidende Rolle. „Man hat, als wir vor der Fankurve standen, die Energie der Jungs und Mädels gesehen. Die fiebern dem Mittwoch enorm entgegen. Genauso wie wir auch! Da hat man schon erkannt: Hey, hier geht es um etwas ganz Wichtiges“, sagte Thomas Müller in den Katakomben der Allianz Arena.

Zuvor hatte der Offensivspieler mit seinem Treffer den 2:0-Endstand gegen Köln in der dritten Minute der Nachspielzeit erzielt. Das erste Bayern-Tor war Raphael Guerreiro nach 65 Minuten gelungen.

Beim Hinspiel in London hatten die Bayern bekanntlich wegen einer UEFA-Strafe auf lautstarke Unterstützung ihrer Fans verzichten müssen. Cheftrainer Thomas Tuchel erklärt die Arsenal-Attacke wie folgt: „Wir brauchen eine komplette Leistung, das Quäntchen Glück, Tagesform – und die Zuschauer, damit der Heimvorteil hoffentlich auch entscheidend wird.“

Die Generalprobe gegen Köln glückte zwar, doch spielerisch waren vor allem die ersten 45 Minuten für die Zuschauer nur ganz schwer zu verdauen. „Es war sicher keine Glanzleistung, wir können besser spielen“, lautete die Analyse von Sportdirektor Christoph Freund, der ankündigte: „Am Mittwoch wird es ein anderes Spiel, es ist Champions League, da sind wir sehr positiv.“

Routinier Müller, der gegen die Gunners zu seinem 150. Königsklassen-Einsatz kommen dürfte, macht noch ein anderer Aspekt Hoffnung: „Die Mannschaft von Arsenal ist sehr gut. Aber sie ist nicht so Europapokal-erfahren wie Real Madrid oder Manchester City, sowohl von Trainerseite als auch den Akteuren.“

Was Müller meint: Nachdem die Londoner im Hinspiel 1:2 zurücklagen, wurden sie mit Beginn der zweiten Hälfte unruhiger. „Da habe ich schon Spiele von Arsenal gesehen – in der englischen Liga –, wo sie mehr den Kopf behalten haben“, meint Müller. Zwar hätten die Gunners den Ausgleich erzielt, doch zuvor wurde taktisch umgestellt: „Wenn Mikel Arteta so früh Korrekturen vornimmt, da hat man gesehen, dass man sie in Momente bringen kann, in denen sie nicht in sich ruhen.“

Um diese Momente erfolgreich zu provozieren, plädiert Müller für den freiwilligen Verzicht auf übertrieben viel Ballbesitz. Stattdessen befürwortet er, in den richtigen Momenten Konterangriffe gegen die Gunners zu fahren. Auf den ersten Blick eine ungewöhnliche Herangehensweise für ein Europapokal-Heimspiel. „Am Ende geht es darum, Tore zu erzielen. Wenn ich jetzt an Spielerprofile denke wie zum Beispiel von Leroy Sané: „Dem tut es auch gut, wenn er bissl Raum hat, damit er mit seinen 36 km/h da reinfahren kann. Dementsprechend glaube ich, ist das nicht schädlich, wenn wir nicht 70 Prozent Ballbesitz haben.“ Gerade in der Hinrunde sei das Umschaltspiel schließlich eine der großen Stärken der Bayern gewesen. Sollte der Plan aufgehen, können die Fans das nächste Europapokal-Lied anstimmen.

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