Eine Trefferflut fürs Seelenheil

von Redaktion

Furioses 8:1 gegen Lettland: Das deutsche Team schießt bei der WM die Selbstzweifel weg

So sieht Erleichterung aus: Dominik Kahun. © Imago

Das Solo perfekt vollendet: Der Treffer zum 2:0 durch Kai Wissmann war eine Demonstration deutscher Überlegenheit. © Imago

Ostrava/München – Die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft hat bei der Weltmeisterschaft in Tschechien wieder zu sich selbst gefunden. Was sie nach zwei frustrierend klaren Niederlagen gegen die USA und Schweden mit je sechs Gegentreffern benötigte, war ein Sieg, der die (Selbst)zweifel zerstreut. Das gewünschte Spiel lieferte das Team von Bundestrainer Harold Kreis: Es bezwang Lettland, einen Hauptgegner um einen Platz im Viertelfinale, mit 8:1 (2:0, 5:1, 1:0). Ein wuchtiges Ergebnis, auch weil man bedenken muss: Die Letten hatten voriges Jahr mit dem Gewinn der Bronzemedaille einen ähnlichen Erfolg gefeiert wie Deutschland als Vizeweltmeister.

Die Reisegruppe des Deutschen Eishockey-Bundes hatte nach der Vorführung durch Schweden (1:6) den Baukasten zur Krisenbewältigung geöffnet. Es wurde alles durchgespielt: Gespräche mit dem Team-Psychologen Dr. Tom Kossak, Meeting der Mannschaft ohne Trainerstab, aber mit klarer Ansprache durch Kapitän Moritz Müller. „Die Stimmung war eion bisschen bedrückt, doch wir haben uns berappelt. Mo weiß, was in solchen Momenten zu tun ist“, berichtete der Berliner Tobias Eder. Die Konsequenzen betrafen ihn, den WM-Debütanten, denn nachdem die zuletzt verletzten Nico Sturm und Maksymilian Szuber wieder spielbereit waren, fand Eder keinen Platz mehr in den vier Blöcken. Er trug es mit Mannschaftsgeist, freute sich vor allem über die Rückkehr des Rackerers Nico Sturm von den San Jose Sharks: „Wir sind superhappy, dass er mitspielen kann. Er ist defensiv unfassbar stark, hat Zug zum Tor, ist extrem geradlinig.“

Harold Kreis entschied sich, „weil der Rhythmus dann besser ist“, für eine Formation mit vier Abwehr-Pärchen und vier Sturmreihen, bis auf die funktionierende Reihe mit Yasin Ehliz (München), Leo Pföderl (Berlin) und Marc Michaelis (EV Zug) baute er wieder um. Zielsetzung: „Wir waren zu passiv, das wollen wir ändern. Wir wollen mehr agieren als reagieren und auch in der defensiven Zone mehr investieren.“

Mit dem ersten Spielzug war war den Deutschen der Wille auf Wiedergutmachung anzusehen. Als hilfreich erwies sich – auch das hatte es in den vorangegangenen drei Partien nicht gegeben – ein schnelles 1:0. Dominik Kahun glückte es in der 6. Minute, und als Verteidiger Kai Wissmann mit einem überraschend in Überzahl gefahrenem Solo spektakulär das 2:0 gelang, waren die deutschen Beklemmungen endgültig verflogen. Die Letten hatten Kristers Gudlevskis aus Bremerhaven, in der DEL Torhüter des Jahres, in den Kasten gestellt – doch er hatte keine einschüchternde Kraft. Nachdem Leo Pföderl und Parker Tuomie gleich zu Beginn des zweiten Drittelns (21., 23.) auf 4:0 gestellt hatten, ersetzte NHL-Goalie Elvis Merzlikins den Kollegen. Doch auch er sah sich einer aufgepuschten deutschen Offensive gegenüber.

Es ging nicht nur ums kollektive Seelenheil der deutschen Mannschaft, sondern auch darum, einige Spieler in die Spur zu bringen. John-Jason Peterka, das Ausnahmetalent, hatte ein wenig mit seiner Torlosigkeit gehadert; nun konnte er seine persönlichen Befreiungsschläge landen, er erzielte die Treffer zum 5:0 (26.) und 7:0 (36.). Auch wichtig: Das Powerplay funktionierte. Dreimal schlug der Vizeweltmeister zu, wenn er einen Mann mehr auf dem Eis hatte.

„Es macht Spaß“, sagte Parker Tuomie nach dem zweiten Durchgang, den Lettland mit dem Treffer zum 1:7 beschloss. Der Straubinger, der zu den Kölner Haien wechselt, stellte klar, dass man nicht mehr vom Weg abkommen wolle: „Es geht darum, in der richtigen Art und Weise weiterzuspielen und hinten gut zu stehen.“ Die Mannschaft brachte es seriös zu Ende, Nico Sturm erzielte noch das 8:1 (45.). Ein guter Tag in Ostrava. GÜNTER KLEIN

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