Es war in den vergangenen Wochen alles dafür bereitet gewesen, dass Max Eberl und Christoph Freund in der Causa Thomas Tuchel als Haupthandlungsträger im Gedächtnis bleiben. Der Sportvorstand hatte bereits frühzeitig und mehrfach betont, bei der im Februar getroffenen Entscheidung gegen den Coach noch nicht in Amt und Würden gewesen zu sein. Und Freund hatte sich im Laufe der Woche bester Laune mit Tuchels Manager Olaf Meinking an einem prominenten Fenster der Chefetage gezeigt und war – oh Wunder! – abgelichtet worden. Das neue aufstrebende Führungsduo hatte sich angeschickt, interne Widerstände zu überwinden und einen kleinen Coup zu landen. Nach dem Motto: Wir geben jetzt die Richtung vor! Stand Freitag, 11.32 Uhr, ist dieses Vorhaben erstmal: gescheitert.
Thomas Tuchel wird nicht Trainer des FC Bayern bleiben, sondern an diesem Pfingstwochenende in Hoffenheim das letzte Mal an der Seitenlinie des FC Bayern stehen. Er wird zum Abschluss lächeln wie schon auf seiner letzten Pressekonferenz in München, auf der er die Entscheidung, bei der im Februar getroffenen Vereinbarung zu bleiben, selbst verkündete. Dann geht er mit warmen Worten, aber in dem Gewissen, einem Verein den Rücken zu kehren, der sich seit Wochen, Monaten, vielleicht sogar Jahren selbst immer wieder ein Rätsel ist. Mittendrin statt nur dabei: Eberl und Freund.
Vor genau einem Jahr wurden am 34. Spieltag Oliver Kahn und Hasan Salihamidzic unter anderem für die vorschnelle Entscheidung entlassen, Julian Nagelsmann zu beurlauben. Ein Jahr später ist vielleicht alles anders, aber nichts viel besser. Freund und Eberl sind nicht alleine für die Tuchel-Misere verantwortlich, aber sie haben es auch nicht geschafft, andere, vielleicht bessere Lösungen zu präsentieren. Auch wenn all die gescheiterten Verhandlungen aus unterschiedlichen Gründen rühren. ist das erste Zwischenzeugnis der sportlichen Führung mit Blick auf Transfers wie Sacha Boey und Bryan Zaragoza und die von allen Seiten belächelte Trainersuche daher mangelhaft.
Egal, wer nun aus dem Hut gezaubert wird: Daran, dass derjenige zwar ein Notnagel und trotzdem in bester Verhandlungsposition ist, ist man selbst Schuld. Es warten Albtraum-Gespräche, verbunden mit der dringenden Notwendigkeit, sich selbst freizuschwimmen. Keine gute Kombination, wenn man es eigentlich allen zeigen will. Hanna.Raif@ovb.net