„Wir müssen jetzt dominant werden“

von Redaktion

Bayerns Basketball-Chef Pesic über Europa, Playoffs und den Titel als Pflicht

Mit der Jugend Lücken schließen: Pesic herzt Spielmacher-Entdeckung Francisco. © IMAGO

Der Glücksfall: Serge Ibaka (li.) entwickelte sich zum großen Leitwolf in dieser Saison. © IMAGO

Nun beginnt sie also, die heiße Phase der BBL. Am Samstag (20.30 Uhr) steigt der FC Bayern gegen Ludwigburg in die Playoffs ein. Für Marko Pesic, den Chef, zählt nur der Titel.

Herr Pesic, diese Saison dient mit Blick auf den Umzug in den SAP-Garden auch der Eigenwerbung. Wie weit ist das geglückt?

Von der Seite können wir sehr zufrieden sein. Die WM hat uns sicher geholfen, aber auch die Mannschaft kommt bei den Fans erkennbar gut an. Wir stehen mit den Zuschauerzahlen super da, das einzige Problem haben wir im Merchandising: Jetzt, vor den Playoffs, haben wir keine Trikots mehr, von keiner Sorte – alles weg. Das Interessante ist beim Publikum, dass uns eine Trennung zwischen Euroleague und Bundesliga gelungen ist. Die Zielgruppen unterscheiden sich, so sind am Sonntagnachmittag zum Beispiel viele Kinder bei uns. Uns ist es gelungen ist, dass Basketball am Wochenende ein Familienereignis ist.

Die zwei Wettbewerbe in Einklang zu bringen, scheint auch sportlich besser gelungen. Nach dem holprigen Saisonstart sind die Durchhänger in der BBL weitgehend ausgeblieben.

Ja, das stimmt. Wie hatten sieben Doppelspieltage in der Euroleague. Und da waren schwierig zu verkraftende Niederlagen dabei, knappe Niederlagen. Und trotzdem hat die Mannschaft es immer wieder geschafft, die Spiele in der Bundesliga zu gewinnen. In der Vergangenheit haben wir genau da den Großteil der Niederlagen in der BBL kassiert. Das zu ändern, war neben Platz eins eines unserer wichtigsten Ziele. Das haben die Trainer sehr gut gemacht.

Sie sprechen von der konsequenten Rotation, die Trainer Pablo Laso über die gesamten 72 Spiele betrieben hat.

Ja, man kann das ja auch nur so schaffen. Wobei ich übrigens nicht glaube, dass uns das Siege in der Euroleague gekostet hat. Das ist nicht der Fall. Dort hatten wir andere Probleme. Wobei wir auch von den großen Verletzungen ein bisschen verschont waren. Wie letztes Jahr Corey Walden, Othello Hunter, Vladimir Lucic… auch Andi Obst hatte zwei Verletzungen, bei denen er vier Monate raus war. Das war jetzt etwas anders.. Dafür haben wir aber auch einiges getan. Nicht nur im Kader. Wir haben im medizinischen Bereich investiert, auch in die Reisen.

Eine andere Neuerung dieser Saison ist der Trainer, der für einen anderen Spielstil steht als seine Vorgänger.

Wenn du dann einen Trainer holst, der 13, 14 Jahre in einem ganz anderen System gearbeitet hat, dann weißt du, dass nicht alles sofort funktionieren kann. Dazu kommt, dass alle Spieler gespielt haben, da kann ein System nicht eingeschliffen sein wie ein Schweizer Uhrwerk. Vor diesem Hintergrund war gerade das Ergebnis in der Bundesliga bisher sehr gut. In der Euroleague wiederum haben wir einige Spiele verloren, die wir eigentlich hätten gewinnen müssen. Wie in Valencia. Das hat uns das Genick gebrochen. Das nagt natürlich am Selbstvertrauen. Das tut weh. Und daraus müssen wir lernen.

Zum Beispiel wie?

Zum Beispiel, dass wir mit mehr Selbstvertrauen, mehr Mut auftreten müssen. So wie unsere Mannschaft 20/21, die sich am Ende leider nicht belohnt hat. Damals haben wir attackiert. Wir hatten ja nichts zu verlieren, keiner hat uns etwas zugetraut. Diesmal haben wir teilweise zu zögerlich, zu abwartend gespielt. Ich finde nicht, dass wir personell viel ändern sollten.. Aber es wird uns helfen, dass die Olympischen Spiele deutlich früher sind. Die Mannschaft wird früher komplett sein.

In der Euroleague geben erfahrene Guards den Ton an, sie haben mit Leandro Bolmaro und Sylvain Francisco mit zwei jungen, auf dem Niveau unerfahrenen Spielmachern gearbeitet…

Das macht einen Unterschied klar, aber es geht nicht anders. Wir können uns diese erfahrene Riege nicht leisten. Das Geld haben wir nicht, dazu kommt das Steuersystem in unserem Land. Mit diesen Dingen müssen wir umgehen. Das ist aber auch nicht schlimm. Du musst halt nach Wegen suchen, das auszugleichen. Diese Lücken zumindest kleiner zu machen. Jugend ist da eine Option. Aber dass diese Spieler sich nicht immer geradlinig entwickeln ist auch klar.

Doch es gibt auch Glücksfälle wie Serge Ibaka, den Ihnen der Zufall im Sommer zu spülte.

Ja, Serge kam aus einem System, in dem er 13 Jahre einen ganz anderen Basketball gespielt hat. Aber er hat überraschend gut funktioniert. Er hat das von Anfang an top durchgezogen. Wir machen keinen Hehl daraus, dass er uns gut zu Gesicht steht. Auf und auch neben dem Feld. Wir werden alles versuchen, ihn zu halten. Mal sehen. Aber klar musst du auch nach solchen Spielern Ausschau halten.

Auf die Euroleague kommen Veränderungen zu. Paris kommt an Bord und soll bleiben. Andere Standorte werden diskutiert. Wird die Luft dünner?

Das weiß ich nicht. Wir sind immer besser damit gefahren, uns auf uns selbst zu konzentrieren. Wir haben eine Garantie, dass wir in der Euroleague dabei sind und das ist eine Plattform, die wir nutzen wollen.

Anderen geht es weniger gut. Euroleague-CEO Paulius Moreijunas sprach kürzlich von fünf Kandidaten – von denen zumindest einer mit der Rückstufung in den Eurocup rechnen muss..

Das ist eine Frage der Mathematik. Du hast zwölf feste Teilnehmer, solange ZSKA Moskau nicht spielen kann. Dazu kommt der Eurocupsieger. Monaco bleibt, weil sie als vormaliger Eurocupsieger jeweils die Playoffs erreicht haben. Ein Platz ist dem Sieger der Adria-Liga garantiert. Dann hast du noch drei Plätze frei – da kann nicht jeder spielen, der möchte. Mitte Juli wissen wir mehr.

Zurück zur Aktualität: Devin Booker sagte zuletzt eher sehe Bayern noch weit mehr als Favorit als 2018 oder 2019. Zählt also nur der Titel?

Natürlich zählt nur der Titel. Ich habe ja von Anfang an gesagt: Pokal, ja, das wäre super. Aber die Meisterschaft muss unser Ziel sein. Dafür müssen wir alles tun. Ich denke, als Verein haben wir das drin. Wir haben eine Mannschaft, die breit ist, wir haben einen erfahrenen Trainer, sehr gute Spieler. Auf den deutschen Positionen sind wir sehr gut aufgestellt. Jetzt haben wir Heimrecht in allen Runden. Aber klar ist auch: Wir waren nicht so dominant, wie wir es sein könnten, Das müssen wir jetzt werden.

PATRICK REICHELT

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