Wieder nur Zweiter: Bergamo verlor im Finale der Coppa Italia gegen Juventus. © IMAGO
Bergamo – Es fehlen nur noch zwei Siege bis zur Unsterblichkeit, die Krönung der europäischen Traumreise lockt – und die Triple-Mission steuert auf ihren Höhepunkt zu. Entsprechend entschlossen, mit einer gewaltigen Portion Selbstvertrauen und prall gefüllten Koffern starteten Erfolgstrainer Xabi Alonso und seine unbesiegbaren Überflieger von Bayer Leverkusen einen Trip, der in die Fußballgeschichte eingehen soll. Von Dublin über Berlin zurück nach Leverkusen – im Idealfall mit zwei weiteren Trophäen im Gepäck. Aber Achtung! Im Finale der Europa League will Atalanta Bergamo Bayer Leverkusen im Finale ein Bein stellen und erstmals in der Geschichte einen Europapokal gewinnen.
Schon 61 Jahre warten sie in Bergamo auf einen Titel, die Sehnsucht kennt keine Grenzen. Das große Finale gegen die Unbezwingbaren von Bayer Leverkusen sei für den Provinzklub aus der Lombardei „eine historische Chance“, sagt Atalanta-Trainer Gian Piero Gasperini vor dem Europa-League-Showdown (Mittwoch, 21.00 Uhr/RTL). Dafür muss die schwarz-blaue „Göttin“, wie die Fans ihren Klub nennen, ihren Final-Fluch vertreiben.
Sie wollen „die beste Version von uns selbst“ sein, sagt der schlaue, alte Trainerfuchs Gasperini, mit „Überzeugung“ und „Hunger“ Leverkusen überrumpeln. Nur so hätten sie in ihrem ersten Europapokal-Finale überhaupt gegen den großen Favoriten eine Chance. „Ist es der Höhepunkt meiner Karriere?“, fragt der 66-Jährige selbst: „Ja, was Prestige angeht, absolut.“
Unter Gasperini erlebt der Klub, der bisher immer im Schatten der Giganten Inter und AC Mailand spielte, ein goldenes Zeitalter – und wird nächste Saison zum vierten Mal in fünf Jahren in der Champions League auftreten. Aber sie haben es immer wieder verpasst, eine Trophäe zu holen, um die Ära zu krönen. Den letzten Titel gewann Atalanta durch einen Sieg im italienischen Pokalfinale vor 61 Jahren. In den vergangenen sechs Spielzeiten verloren sie aber drei Mal das Endspiel der Coppa Italia, zuletzt vor einer Woche gegen Juventus Turin. Auch 1987 und 1996 zogen sie im Pokal den Kürzeren, diesmal soll es unbedingt soweit sein. „Nie mehr ‚Vizelanta’“, schrieb sportschau.de.
Und Leverkusen ist gewarnt. Gasperini ist bekannt dafür, junge Talente zu entwickeln, aufregenden Offensivfußball spielen zu lassen und überraschende Ergebnisse gegen Clubs mit viel mehr Potenzial zu holen. Auf dem Weg ins Endspiel in Dublin räumte Atalanta Vereine wie Sporting Lissabon, den FC Liverpool von Jürgen Klopp und Olympique Marseille aus dem Weg. Kein Wunder, dass Bayer-Trainer Xabi Alonso voller Bewunderung über seinen Rivalen spricht. „Er hat einen klaren Plan und hat eine Mannschaft mit einer starken Mentalität und hoher Qualität aufgebaut“, sagte der Spanier: „Sie sind eine Spitzenmannschaft.“
DPA