Mit Risiko zum Erfolg

von Redaktion

Das erste Heimspiel für die Munich Cowboys und dem neuen Trainer Lambropoulos steht an

Neuer Chef: Christos Lambropoulos. © Peter Roth

Flugstunde: Die Munich Cowboys wollen das Heimpublikum begeistern. © Peter Roth

München – Bairisch hat Christos Lambropoulos noch nicht gelernt: „Das hört sich für mich einfach alles komisch an.“ Unabhängig davon fühlt sich der neue Headcoach der Munich Cowboys aber schon wohl in München. „Ich mag es hier wirklich sehr“, so der 33-Jährige.

Nicht selbstverständlich für jemanden, der in Griechenland geboren wurde und in Australien aufwuchs. In Down Under entwickelte sich bei Lambropoulos‘ auch die Liebe zum American Football: „Ich war nie gut in der Schule, dann ist der Sport eben schnell zu meinem Lebensinhalt geworden.“ Wer jetzt von einem geradlinigen Lebensweg ausgeht, liegt allerdings falsch. Zwar begann der Sohn eines Griechen und einer Australierin bereits mit 18 zu coachen, seinen Lebensunterhalt konnte er so aber nicht bestreiten: „Bezahlt wurde ich nicht, es ging nur um die Liebe zum Spiel.“ Seine Brötchen verdiente Lambropoulos daher zunächst im Import-/Exportgeschäft und als Taxifahrer.

Der Schritt nach Deutschland erfolgte eher zufällig. Auf einer Konferenz kam er mit dem damaligen australischen Nationaltrainer John Leijten, der auch schon in der GFL gecoacht hatte, ins Gespräch. Kurz danach bot dieser Lambropoulos an, Teil seines Trainerstabs bei den Düsseldorf Panthern zu werden. „Ich bekam nicht viel Geld, aber es war ein riesiges Abenteuer. Nach dem Jahr in Düsseldorf wusste ich, dass ich unbedingt weiter in Deutschland arbeiten will“, so der neue Cowboys-Trainer.

Die nächste Station in der Bundesrepublik lief jedoch anders als geplant. Lambropoulos übernahm im Februar 2020 in Bremen als Cheftrainer und landete kurze Zeit später bei der Traubenernte in Luxemburg. Die Coronapandemie hatte alle sportlichen Pläne zerstört und eine Rückkehr nach Australien unmöglich gemacht. Um über die Runden zu kommen, hieß es dann also Trauben schneiden, statt Gegner scouten. „Das war der härteste Job meines Lebens. Ich kann durch diese Zeit nun ziemlich gut einschätzen, wie viel Arbeit in einem Glas Champagner steckt“, so Lambropoulos.

Nach dem ersten Pandemiejahr kehrte der junge Coach auf die Trainerbank zurück und heuerte bei den Saarland Hurricanes an. Dort wurde er dank einer spektakulären Offensive 2021 prompt zum Trainer des Jahres in der GFL gewählt und landete über die ELF-Station Köln nun bei den Cowboys: „Schon vor der Anfrage hatte ich viele gute Dinge über die Cowboys gehört. Vor allem, was die Stabilität im Verein angeht. Nun bin ich einige Monate hier und habe wirklich das Gefühl, dass etwas entstehen könnte.“

Diese These bestätigte auch der Saisonauftakt in Straubing. Beim 31:7-Erfolg gegen die Spiders wusste vor allem die Offensive – das Steckenpferd von Lambropoulos – direkt zu überzeugen. „Ich liebe es, den Ball zu werfen und Risiko einzugehen. Lieber verlieren wir, weil wir etwas riskiert haben, als vorsichtig ein Unentschieden zu holen“, so der Headcoach über seinen Spielstil. Seine erfolgreiche Vorgängerin Nadine Nurasyid hatte den Fokus noch eher auf die Defensive gelegt. Ihre – durchaus großen – Fußstapfen bereiten Lambropoulos allerdings kein Kopfzerbrechen: „Ich schaue nur nach vorne.“

Nach vorne heißt bis Mitte der Saison: „Mein Ziel ist es, nach sechs Spielen eine positive Bilanz zu haben, danach sehen wir weiter“, so der Cowboys-Coach. Ob es dann Zeit zum Bairisch lernen für Christos Lambropoulos gibt, ist fraglich: „Ich bin ein komischer Typ. An freien Tagen schaue ich eigentlich auch nur Football.“ CLAAS SCHÖNFELD

Artikel 2 von 11