Vertrag in Burnley bis 2028: Vincent Kompany. © IMAGO
Thomas Müller (r.) spielte schon gegen den Ex-City-Star, nun ist Vincent Kompany Trainer. © IMAGO
München – Ein Sprichwort besagt: Die Not macht erfinderisch. Max Eberl zitierte inmitten Bayerns kurioser Trainersuche lieber einen Kumpel. Der Sportvorstand meinte am vergangenen Sonntag bei Sky: „Ein Freund von mir sagt immer, das Beste kommt zum Schluss.
Nach den missglückten Abwerbeversuchen von Xabi Alonso (Leverkusen), Julian Nagelsmann (Bundestrainer), Ralf Rangnick (österreichischer Teamchef) sowie Oliver Glasner (Crystal Palace) scheiterten Eberl und Sportdirektor Christoph Freund auch mit ihrer Idee, Thomas Tuchel von einem Weiterverbleib in München zu überzeugen. Nun führt die Spur nach England.
Ein heißer Kandidat für den vakanten Trainerposten des Rekordmeisters ist nun Vincent Kompany. Der 38-jährige Belgier stieg in der vergangenen Saison mit dem FC Burnley souverän in die Premier League auf. Und in der abgelaufenen Spielzeit mit 24 Punkten aus 38 Spielen sofort wieder ab. Trotzdem hat er mit seiner Spielidee und Persönlichkeit offenbar Eindruck in München hinterlassen. Laut Sky haben schon Gespräche stattgefunden.
Kompany gilt als Lehrling von Pep Guardiola. Der ehemalige Abwehrspezialist, der mit Ilkay Gündogan und Leroy Sané befreundet ist, war von Sommer 2016 bis 2019 Kapitän des katalanischen Star-Trainers bei Manchester City. Pep sei „ein Auslöser“ für seinen eingeschlagenen Trainerweg gewesen. Guardiola hat eine extrem hohe Meinung von ihm – auch als Coach. „Ich habe das Gefühl, dass er bei Manchester City enden wird. Er ist schon ein großer Manager, aufgrund dessen, was er letzte Saison mit Burnley gemacht hat“, schwärmte der Ex-Bayern-Trainer Anfang 2024. „Man kann die Ideen sehen, die sie haben, die Art und Weise, wie sie versuchen zu verteidigen. Ich mag, was er tut.“
In der zweiten englischen Liga überzeugte Kompany mit Ballbesitz-Fußball, meist in einem 4-2-3-1-System. Mit dieser Grundordnung holte der FC Bayern u.a. Meistertitel en masse und zwei Champions-League-Pokale (2013, 2020). Zudem spricht Kompany, der zwischen 2006 und 2008 für den Hamburger SV spielte, neben Englisch, Französisch und Niederländisch auch Deutsch.
Im Misserfolg kann Kompany auch auf den Tisch hauen, wie in einem Video zu sehen ist. Als Anderlecht-Trainer stauchte er sein Team in der Umkleidekabine richtig zusammen – mit Anfangworten, die hier zensiert werden: „Damit es keine Missverständnisse gibt: Es gibt eine verdammte Seite von mir, die ihr verdammt noch mal noch nicht gesehen habt.“
Im Sommer 2022 wäre Kompany beinahe als Coach in der deutschen Bundesliga gelandet. Wie unsere Zeitung erfuhr, war neben Borussia Mönchengladbach auch der FC Schalke an ihm dran. Sportlich-inhaltlich und auch menschlich haben ihn die Königsblauen für top befunden. Nur der Aufsichtsrat sei beim Staff, Kompany wollte drei Mann mitnehmen, nicht konform gewesen. So wurde er am Ende abgelehnt. Kompany landete schlussendlich bei Burnley.
Die große Frage: Führt sein Weg nun in die Bundesliga? Kompanys Burnley-Vertrag läuft bis 2028. Den Belgier reizt der FCB-Job natürlich. Und die Bayern-Bosse denken aktuell an Trainer, die eine längerfristige Lösung wären und für ansehnlichen Fußball stehen. Es muss nicht der größte Name sein. Im Idealfall würde ein solcher Coach. wie der damalige Trainerneuling Xabi Alonso bei Leverkusen, einschlagen. Der Unterschied: Bayern hat nach der ersten titellosen Saison seit 2012 und dem Champions-League-Finale 2025 in München keine Zeit mehr für Experimente. PHILIPP KESSLER