Und zugepackt: Deon Thompson & Co. mussten 2014 ins Wiederholungsspiel © imago
Meisterliebe: Das Bald-Ehepaar Bryant. © Stickel
Chef und Regisseur von einst: Bayern-Chef Marko Pesic mit Heiko Schaffartzik. © Stickel
Die Champions besuchen ihre Erben: Die Meister von 2014 (rote Jacken) waren am Samstag zum Playoffauftakt im BMW Park zu Gast. © Stickel
München – Für diesen einen Moment hatte die Begeisterung auch die Geschichte erfasst. Als Weltmeister Andreas Obst am Samstag mit zwei Dreiern binnen von 14 Sekunden die Verlängerung erzwang, standen auch Bayerns Deutsche Meister von 2014 auf ihren Sitzen. Und wer wüsste besser als Steffen Hamann & Co. dass Playoff-Serien der Münchner gegen Ludwigsburg einfach besondere Geschichten schreiben.
Wobei jene von vor fast genau einem Jahrzehnt wohl auf Dauer schwer zu schlagen sein wird. Es war Viertelfinale Nummer vier in Ludwigsburg, die Bayern führten mit 2:1, hatten bei einem 73:71 kurz vor Spielende also schon die Runde der letzten vier vor Augen. Bis Michael Stockton an die Freiwurflinie trat. Der Sohn von NBA-Legende John Stockton traf einmal.
Bis plötzlich heftige Diskussionen zwischen Bayern-Guard Heiko Schaffartzik und Schiedsrichterin Anne Panther entbrannten. Der Münchner versuchte der Unparteiischen näher zu bringen, Stockton sei gar nicht der Gefoulte und damit der Falsche an der Linie. Mit Erfolg, Panther annullierte die Freiwürfe, die Bayern gewannen. Wobei auch Schaffartzik selbst gar nicht ahnte, was er da lostrat. „Eigentlich wollte ich nur ein bisschen für Unruhe sorgen“, verriet er dieser Tage im Basketball-Podcast Open Court.
Doch: Ludwigsburg protestierte, die BBL setzte das Spiel neu an. Das Problem: Schaffartzik und Kollegen feierten im heimischen München schon nach Kräften den Halbfinaleinzug, als der heutige Geschäftsführer Marko Pesic die schlechte Nachricht verzweifelt zu verbreiten suchte. „Wir waren nicht betrunken, aber schon gut betankt“, sagte Schaffartzik, der heute übrigens als Schauspieler aktiv ist. Das führte immerhin so weit, dass die Polizei Center John Bryant bei Fahrradkunststücken im englischen Garten aus dem Sattel holte.
Man kann sich die Atmosphäre vorstellen, als die Mannschaft am nächsten Tag statt der geplanten Freizeit zum Training beim strengen Svetislav Pesic aufschlug. Doch das Bemerkenswerte ist: Die Mannschaft bekam die Kurve und entschied das Wiederholungsspiel deutlich mit 86:68 für sich. Für viele war dies das Schlüsselerlebnis auf dem Weg zum ersten Titelgewinn der Münchner Basketball-Neuzeit.
Kaum verwunderlich, das nahezu alle Helden von einst die Etappe FC Bayern auch als eines der größten Karriere-Highlights ansehen. Oder auch mehr als das: Bryant etwa fand in München seine Lebensgefährtin, die er demnächst heiraten wird. „Natürlich war diese Zeit hier etwas Besonderes für mich“, sagte der US-Amerikaner, der derzeit über die Verlängerung seines Engagements beim Mitteldeutschen BC nachdenkt.
Und die Erben der Meister, die auf einem gemeinsamen Playoff-T-Shirt mit dem Slogan „2014 We still have a Team 2024“ verewigt sind, hätten sicher nichts dagegen, wenn sich der aktuelle Titelkampf zu einer ähnlichen Erfolgsgeschichte entwickelt wie jener vor einem Jahrzehnt.
Den ersten Aufreger haben die neuen Bayern ja schon hinter sich, die Auftaktniederlage am Samstag soll zumindest schon einmal zu handfesten Verstimmungen geführt haben. Und dabei hat die Serie noch nicht einmal in Ludwigsburg Station gemacht. Das wird sich an diesem Mittwoch (18.30 Uhr) und am Freitag (20.30 Uhr) ändern. Dann warten die Spiele drei und vier dieses Viertelfinals. PATRICK REICHELT