Hohe Hürde: Juri Knorr (l.) bekommt es im Halbfinale unter anderem mit dem Welt-Handballer Mathias Gidsel zu tun. © IMAGO
Hamburg – Nur Elfter in der Liga, längst raus im Pokal, den Abschied vor Augen: Wenn Juri Knorr am Wochenende in Hamburg um Europas Krone kämpft, geht es auch um sein Vermächtnis. Doch Deutschlands Handball-Star und seine Rhein-Neckar Löwen stehen vor einer extrem kniffligen Aufgabe. Gleich zwei andere Bundesliga-Clubs wollen Knorr die Show stehlen.
„Wir spielen gegen eine absolute Topmannschaft“, sagte Knorr vor dem Halbfinal-Kracher der European League an diesem Samstag (18 Uhr/DAZN und Dyn) gegen den Liga-Zweiten und Titelverteidiger Füchse Berlin: „Wir brauchen wieder ein kleines Handball-Wunder.“ Im anderen Halbfinale (Samstag, 15 Uhr) stehen sich die SG Flensburg-Handewitt und Dinamo Bukarest gegenüber, der Titel wird im Endspiel am Sonntag (18 Uhr/DAZN und Dyn) vergeben.
Schon im vergangenen Jahr hatten die Löwen mit ihrem Überraschungscoup im DHB-Pokal eine zuvor holprige Saison auf der Zielgeraden gerettet. Dies soll auch diesmal geschehen. Insofern ist Knorr sich der Bedeutung eines möglichen Cupgewinns bewusst. „Es wäre was Cooles“, sagte der 24-Jährige, „es wäre etwas, das bleibt“.
Zumal es womöglich Knorrs letzte Chance mit den Löwen auf einen Titel ist. Der Spielmacher, der seit 2021 in Mannheim spielt, hatte im April seinen Abschied für 2025 angekündigt.
Zuletzt wurde darüber spekuliert, ob Knorr sogar schon diesen Sommer gegen Zahlung einer sechsstelligen Ablöse zum dänischen Topclub Aalborg Handbold wechselt. Dies dementierte der Rückraumspieler nun. Zumindest ein bisschen. Ob er nächste Saison noch einmal für die Löwen auflaufe, fragte die Rheinpfalz in einem Interview am Donnerstag. „Ja“, so Knorr: „Davon gehe ich aus.“
Die volle Konzentration des Nationalspielers gilt dem Wochenende. Wie im Finalturnier des Pokals im vergangenen Jahr, als Knorr gegen Flensburg und Magdeburg zu Höchstform aufgelaufen war, möchte er für magische Momente sorgen und sein Team auch diesmal zum Erfolg führen. „Es würde alles so ein bisschen vergessen lassen“, sagte Knorr mit Blick auf die schwache Bundesliga-Saison, in der ein Platz in der unteren Tabellenhälfte droht.
Die Wahrscheinlichkeit, dass am Sonntagabend ein deutsches Team die Trophäe in den Konfettiregen reckt, ist riesig. Dies unterstreicht auch ein Blick in die Siegerliste des zweitwichtigsten europäischen Klubwettbewerbs. 17 von 19 Titel gingen in den beiden zurückliegenden Dekaden an Bundesliga-Klubs. Durchbrochen wurde die Serie einzig 2014 (Pick Szeged) und 2022 (Benfica Lissabon).
Löwen wie Füchse stehen natürlich auch schon in den Siegerlisten. Während die Mannheimer die Trophäe allerdings erst einmal stemmen durften (2013), entschied man in Berlin den zweithöchsten europäischen Wettbewerb schon dreimal für sich (2015, 2018 und 2023). Die Füchse Berlin haben zudem eine starke Bundesligasaison hingelegt, wo man zumindest die Vizemeisterschaft in der Tasche hat – womit man in der nächsten Saison also statt einer möglichen Titelverteidigung die Champions League als Alternativprogramm hat. . „Wir werden uns wie in den letzten Begegnungen gut auf die Rhein-Neckar Löwen vorbereiten, um die Saison mit einem Pokal zu krönen“, sagte Berlins Fabian Wiede..
In der Bundesliga herrschten in beiden Duellen klare Verhältnisse. 36:28 und 38:32 entschieden die Füchse die Punkte jeweils für sich.
SID