Leclerc bricht seinen Monaco-Fluch

von Redaktion

Ferrrari bringt Spannung in die Formel-1-WM – Im Feld knallt es gewaltig

Miniatur-Auto: Red Bull von Sergio Perez. © Screenshot

Prinz Albert freut sich mit: Grand-Prix-Sieger Charles Leclerc ist Bewohner des Fürstentums. © AFP/NICOLAS TUCAT

Nicht sein Rennen: Max Verstappen (vorne) fuhr nur auf Platz sechs ein. © dpa/Luca Bruno

Monaco – Charles Leclerc schrie und weinte in seinen Helm, im glitzernden Wasser vor der Küste Monacos spielten die Yachten ein Hupkonzert zu Ehren des Siegers, auch Fürst Albert reckte den Daumen in die Höhe. Am Ende eines endlos langen Rennens war der Fluch tatsächlich gebrochen – Leclerc hatte erstmals seinen Heim-Grand-Prix im Fürstentum gewonnen. „Mit Worten lässt sich das nicht erklären“, sagte Leclerc wenig später, und der sonst so betont lässige Ferrari-Pilot versuchte es mit glasigem Blick dennoch: „Das ist das Rennen, das in mir den Traum von der Formel 1 geweckt hat. Die Emotionen kamen schon auf den letzten Runden, und ich habe an meinen Vater gedacht. Es war unser gemeinsamer Traum, dass ich hier Rennen fahre und gewinne.“ Leclercs Vater Herve war 2017 gestorben, kurz vor dem Aufstieg seines Sohnes in die Formel 1.

„Es ist so ein schwieriges Rennen, ich denke, die Tatsache, dass ich hier schon zweimal auf der Pole stand und es nicht geschafft habe, macht es noch besser“, sagte Leclerc: „Es bedeutet mir sehr viel. Es ist das Rennen, weshalb ich Formel-1-Fahrer werden wollte.“ Oscar Piastri im McLaren und Carlos Sainz im zweiten Ferrari komplettierten das Podest. „Ich bin sehr glücklich, dass Charles sein Heimrennen gewonnen hat“, sagte Sainz, der am Schluss näher an Piastri herankam, aber nicht mehr überholen konnte. Nico Hülkenberg im Haas schied bereits in der ersten Runde unverschuldet aus, ein spektakulärer Unfall beendete sein Rennen.

Im WM-Klassement führt Verstappen mit noch 31 Punkten Vorsprung auf Leclerc – so gering war der Abstand seit Anfang April nicht mehr. Nach zuletzt bereits engeren Rennen wurde in Monaco zudem offensichtlich, wie folgenschwer die Probleme des Red Bull mit unebenen Strecken mittlerweile sind. „Wir sind nicht perfekt, wir müssen unsere Grenzen verstehen und daran arbeiten“, sagte er.

Für Leclerc zählte erst mal nur die Gegenwart. Seit 2018 hatte er auf einen Sieg im Fürstentum gewartet, diesen teilweise auf bizarre Weise verpasst. An diesem Wochenende nun machte Leclerc bereits in den ersten Trainings einen guten Eindruck, weckte große Hoffnungen bei seinen ziemlich euphorischen Fans auf den Tribünen – und hielt im engen Qualifying dem riesigen Druck stand. Auf der Fahrerparade kurz vor dem Start winkte er dann noch einmal in die Menge, „ich will jetzt einfach nur ins Auto steigen und es hinbekommen“, sagte Leclerc – als die roten Ampeln dann endlich ausgingen, musste er aber ziemlich bald schon wieder aussteigen. Denn zum Start verteidigte er seine Führung, hinter ihm passierte aber eine ganze Menge. Sainz wagte die Attacke auf Piastri in der ersten Kurve, schaffte es aber nicht ganz vorbei – offenbar nahm sein Auto dabei Schaden, am Casino rutschte er manövrierunfähig geradeaus.

In diesem Moment war der taktische Vorteil Ferraris mit zwei Autos in der Spitze dahin, doch weiter hinten knallte es gewaltig: Kevin Magnussen touchierte im Haas den Red Bull von Sergio Perez, der in die Leitplanken krachte und komplett zerstört wurde. Beide Haas-Autos wurden ebenfalls getroffen, auch für Hülkenberg war das Rennen beendet. „Ich war nicht wirklich involviert und bin trotzdem raus“, sagte er frustriert.

Für Leclerc allerdings war dieser Vorfall ein Geschenk. Denn es folgte die Rote Flagge, eine Rennunterbrechung. Ferrari machte Sainz wieder rennfähig, zudem konnte Leclerc an der Spitze von den Medium-Reifen auf die harte Mischung wechseln. Der Pflichtboxenstopp war damit absolviert, Leclerc konnte auf diesen Reifen nun durchfahren und musste keine strategischen Kniffe der Konkurrenz mehr fürchten. Er verwaltete das Rennen, auf der engen Strecke fand Piastri selbst an einem gemächlich fahrenden Leclerc keinen Weg vorbei. Die Technik musste halten, Leclerc durfte keine Fehler begehen – das alles gelang, der Fluch war gebrochen.
SID

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