Drei Spiele punktlos, dann kam sein Moment: David Pastrnak lässt sich von seinen Kollegen feiern. © AFP/MICHAL CIZEK
Prag – David Pastrnak ist Tschechiens derzeit größter Eishockey-Star. Neulich noch spielte er in den Playoffs der NHL mit den Boston Bruins, doch als die im Viertelfinale um den Stanley Cup ausgeschieden waren, machte „Pasta“, wie der 28-jährige Stürmer genannt wird, sich auf in die Heimat zur bereits laufenden Weltmeisterschaft. Doch er spürte die Müdigkeit, die lange Saison, den Playoff-Frust. Er blieb ohne Scorerpunkt in dem einen Vorrundenspiel der WM, das er noch mitnehmen konnte, ebenso im Viertel- und im Halbfinale. Doch als sein Land ihn am dringendsten benötigte, lieferte der Stürmer, der in der NHL dieses Jahr wieder mehr als 50 Tore geschossen hatte: Er erzielte in der 50. Minute das 1:0, der Endstand lautete 2:0. Das gewünschte Happy-End für die Rekord-Weltmeisterschaft mit fast 800000 Zuschauenden in den 64 Partien in Prag und Ostrava: Die Organisatoren hatten auf Pastrnak als Posterboy der WM gesetzt – obwohl sie überhaupt nicht sicher sein konnten, dass er überhaupt kommt.
Die Schweiz brillierte einmal mehr mit ihrer Defensivstärke. „Wie wir bisher gespielt haben, das gefällt mir“, sagte Trainer Patrick Fischer, der sein Team zum zweiten Mal ins Endspiel geführt hatte. 2018 unterlag die Schweiz Schweden im Penaltyschießen. Und vor Fischers Zeit, unter Regie des ehemaligen München-Barons-Coaches Sean Simpson, hatten die Eidgenossen auch schon mal ein Endspiel erlebt. Der Titel war ihnen verwehrt geblieben – und dabei blieb es auch diesmal. Im Viertelfinale hatte die Schweiz die Deutschen ausgeschaltet, deren Stürmerstar JJ Peterka frustriert gesagt hatte: „Es war schwer, in ihr Drittel zu kommen, sie haben die blaue Linie verteidigt.“
Die Schweiz fuhr im Finale dann noch die große Schlussoffensive, Patrick Fischer nahm seinen Torwarthelden Genoni vom Eis. Doch der Ausgleich gelang nicht mehr, vielmehr gelang Tschechien durch David Kampf mit einem Empty-Netter das 2:0 – und so konnte Tschechien seine erste Weltmeisterschaft seit 2010 (in Köln) feiern. Vor heimischem Publikum in Prag – ein Traum.
Tschechien gegen die Schweiz war nicht das logische Finale, denn die Vorrundengruppen hatten Schweden und Rekordchampion Kanada beherrscht. Die beiden Souveräne patzten allerdings am Samstag – obwohl sie die besseren statistischen Daten aufzuweisen hatten: Die Skandinavier gingen aus einem über weite Strecken dominant geführten Match gegen Gastgeber Tschechien mit einer 3:7-Niederlage vom Eis, Torhüter Gustafsson kassierte bis zur 29. Minute fünf Treffer, dann wurde er vom Eis geholt. Kanada stand gegen die Schweiz im ersten Drittel neben den Schlittschuhen, das zeigte die Bilanz von 8:17 Schüssen und 0:2 Toren. Erst im letzten Anrennen kamen die Nordamerikaner zum 2:2. Doch die Kanadier konnten den Lauf nicht fortsetzen, sie scheiterten im Penaltyschießen. Das kleine Finale um Platz drei tags darauf gewann Schweden mit 4:2. Die erste Medaille seit 2018 war ein kleiner Trost, wohingegen Kanada nach sechs Jahren ohne Preis nach Hause reisen musste. Das ausgerechnet beim ersten Mitwirken des Wunderkinds Connor Bedard. GÜNTER KLEIN