Bellinghams Story: Fast schon kitschig

von Redaktion

Titel gegen BVB würde „Welt bedeuten“

Bereit fürs Finale: Bei bestem Wetter schuften Bellingham und Kroos für Samstag. © IMAGO

München – Jude Bellingham ist ein wahrer Showman, allein schon sein theaterhafter Jubel schreit: Lasst es Rosen regnen, ich bin der Allergrößte! Doch beim Mittagessen im Trainingszentrum von Real Madrid, wenn nebenan Toni Kroos in seinen Nudeln stochert, wenn Luka Modric in Badeschlappen vorbeischlurft – da fühlt er sich noch wie der kleine Junge aus Birmingham, der im Park auf Rucksack-Tore kickt und von der großen Fußball-Welt träumt.

„Das ist vollkommen verrückt, wenn die Erfahrenen über ihre vielen Champions-League-Endspiele reden“, sagte der 20-Jährige: „Ich denke dann: Ja, das habe ich damals gesehen – mit meinem kleinen Bruder auf der Couch.“

Am Samstagabend (21.00 Uhr/ZDF) im Londoner Wembleystadion kann er beginnen, seine ganz eigene Final-Geschichte zu schreiben, und das im doppelten Sinne passend: Im mythischen Fußball-Tempel seiner englischen Heimat. Gegen seinen Ex-Klub Borussia Dortmund, das Sprungbrett, das er verließ, weil er sich zu noch Höherem berufen fühlte.

„Das ist eine fantastische Geschichte. Fast schon kitschig“, sagte BVB-Sportdirektor Sebastian Kehl dem kicker. Wie so vieles, wenn im Rückblick nur das eine Märchen eines erfüllten Kindheitstraumes erzählt wird – und nicht die tragischen Geschichten Tausender zerplatzter Hoffnungen.

So wirkt es dann wie schicksalhafte Vorhersehung, was Bellingham zuletzt erstmals in einem Interview erzählte: Schon sein Vater sei früher häufig im Real-Trikot mit der „5“ herumgelaufen, der Flock auf dem Rücken: ZIDANE. „Wer ist das?“, habe er gefragt. Eines Tages, antwortete der Legende nach der Vater, „werde ich es Dir bei YouTube zeigen“. Das ist selbstverständlich längst nicht mehr nötig. Jude Bellingham tritt inzwischen neben der französischen Fußball-Ikone in einem adidas-Werbespot auf, er trägt bei Real Madrid selbst die „5“ – und er wird immer wieder mit seinem großen Vorgänger verglichen.

„Die Art seines Spiels erinnert mich an Zidane, wegen seiner außergewöhnlichen Qualitäten am Ball“, schwärmte Trainer Carlo Ancelotti, nachdem Bellingham so herausragend in seine erste Real-Saison gestartet war. „Er ist ein Geschenk für den Fußball.“ Viel größer geht es dann auch nicht mehr. Dabei hat Jude Bellingham gegenüber Zidane, Kroos, Modric und vielen anderen einiges aufzuholen. Der Titel, sagt er, „würde mir die Welt bedeuten“.
SID

Artikel 1 von 11