Rüdiger (li.) schultert Henkel-Gott Kroos und feiert ihn gemeinsam mit den Real-Anhängern in Wembley.
Als Champions-League-Sieger geht‘s für Kroos zur Nationalmannschaft.
Zum sechsten Mal in seiner Karriere stemmt Kroos den Henkelpott in die Luft. © Augstein/dpa (2), Weller/dpa (2)
London – Antonio Rüdiger fackelte nicht lange. Der Innenverteidiger von Real Madrid packte Toni Kroos vor der Königlichen-Fankurve und stemmte den Mittelfeldspieler in die Luft – ähnlich wie er es zuvor mit der Champions-League-Trophäe tat. Ein Zeichen der Wertschätzung für Kroos von seinem Mitspieler und Nationalmannschaftskollegen. Durch das 2:0 (0:0) im Königsklassen-Endspiel in Wembley gegen Borussia Dortmund hat Kroos den Henkelpott bereits zum sechsten Mal in seiner Karriere gewonnen – und stößt ab Dienstag als „Henkel-Gott“ in Herzogenaurach zum DFB-Team.
Dementsprechend breit ist die Brust des erfolgreichsten deutschen Fußballers aller Zeiten. „Es wäre falsch, nicht mit dem Ziel EM-Titel anzutreten“, sagte der 34-Jährige in einem Sky-Interview nach dem Finalsieg und ergänzte: „Ich glaube, wir haben es geschafft, die Stimmung ein bisschen ins Positive zu drehen. Trotzdem sind wir in meinen Augen weit weg davon, ein Favorit zu sein. Aber es ist ein Selbstverständnis in mir: Wenn ich ein Turnier spiele, dann will ich natürlich gewinnen!“ Zur Erinnerung: Der Europameister-Titel ist der einzige, der Kroos noch in seinem Trophäenschrank fehlt.
Bundestrainer Julian Nagelsmann wird alles dafür tun, dass die Titelsammlung um den Henri-Delaunay-Pokal erweitert wird. „Mit dem sechsten Titel in der Königsklasse vom Vereinsfußball abzutreten, ist einzigartig und ein würdiger Abschied für einen Ausnahmespieler wie Toni Kroos. Ich freue mich darauf, ab Dienstag mit dem gesamten Team hart daran zu arbeiten, dass er bei der Heim-EM auch mit der Nationalmannschaft den verdienten Abschied bekommt.“ Übrigens: Wenn es nach Real-Trainer Carlo Ancelotti geht, sollte Kroos sein Karriereende noch einmal überdenken. Der Italiener hatte ihm kurz nach Abpfiff einen Rücktritt vom Rücktritt angeboten: „Wir warten auf ihn. Wenn er seine Meinung ändert, ist er immer willkommen.“ Davon ist jedoch nicht auszugehen. „Was ich in diesen zehn Jahren erlebt habe, werde ich nie vergessen. Es wird Zeiten geben, wo ich all das vermissen werde. Aber ich habe diese Entscheidung getroffen, weil ich ein anderes Leben führen will“, sagte Kroos. Vor allem will er mehr Zeit mit der Familie verbringen. Auch nach dem Schlusspfiff führte ihn sein erster Weg auf die Tribüne zu seiner Frau und den drei Kindern. Ehefrau Jessica gehöre der größte Dank. „Sie ist immer da. Die Trainer haben gewechselt, die Mitspieler auch, sie nie. Diese Sicherheit, dieses Geregelte ist in einer Karriere so wichtig“, sagte Kroos.
Während Nagelsmann und die Nationalspieler am Samstag gemeinsam im Mannschaftsquartier in Herzogenaurach das Endspiel auf einer Großleinwand schauten, waren Sportdirektor Rudi Völler und Geschäftsführer Andreas Rettig in London vor Ort. Neben den Triumphatoren Kroos und Rüdiger hatte das Duo in Wembley freilich auch die große Enttäuschung der Dortmunder Fraktion um die EM-Fahrer Niclas Füllkrug und Nico Schlotterbeck registriert. „Unsere Nationalspieler vom BVB werden wir in der kommenden Woche in Herzogenaurach aufbauen und dann voll angreifen, um alle zusammen noch einen Titel zu gewinnen“, kündigte Völler an. Das wäre Balsam auf die Seele der Dortmunder. MANUEL BONKE