Die Bayern greifen nach dem Titel

von Redaktion

Basketballer gewinnen auch Halbfinale drei in Würzburg und ziehen in die Endspielserie ein

Muskeln gezeigt: Carsen Edwards war in den Halbfinals einer der auffälligsten Bayern. © Stickel

Würzburg – Zwanzig Sekunden vor Schluss setzte Serge Ibaka noch einmal ein Statement. Der NBA-Veteran räumte ziemlich gnadenlos einen Würzburger Angriff ab. Eine Aktion, die symbolisch stand für die Kräfteverhältnisse in dieser Halbfinalserie. 75:61 (38:33) fertigten die Basketbeballer des FC Bayern die Würzburgs Baskets auch in deren eigener Halle ab. 3:0 also, die Münchner sind drin im Finale, das am Samstag (20.30 Uhr) im BMW-Park seinen Anfang nimmt.

Ein Stolperstein wartet noch. Im Moment sieht es nach Chemnitz aus, das 2:1 gegen Alba Berlin führt. Mehr als ein kleines Faustballen hatten die Bayern dafür aber auch nicht übrig. „Es fühlt sich an wie eine Zwischenstation“, sagte Weltmeister Isaac Bonga, „wir haben als Verein einfach noch höhere Ziele.“

So manch einer hatte sich vor dem Umzug nach Würzburg ja gefragt: Worauf sollte man die Hoffnung bauen, dass diese Halbfinalserie doch noch in die Verlängerung gehen könnte? Personelle Besserung auf Seiten der schwer angeknacksten Würzburger? Gab es nicht. Im Gegenteil: In Isaiah Washington musste sogar ein weiterer Franke angeschlagen passen.

Die Wucht der Atmosphäre in der angejährten „Turnhölle“, in der man schon Meister Ulm abserviert hatte? Schon eher. Bayern-Kapitän Vladimir Lucic hatte das ja schon nach dem zweiten Duell am Freitag gemutmaßt. „Manchmal ist es in so einer engen Halle mit 3000 Leuten schwieriger als in einer großen mit 20 000.“

Und tatsächlich versuchten es die Gastgeber auch mit dem Prinzip Flucht nach vorne. Mit der Düsenjäger-lauten Fangemeinde im Rücken verfolgte man den Plan, den Favorit an die Wand zu drücken. Und der zeigte sich – die Konkurrenz aus Chemnitz und Berlin wird es mit Interesse gesehen haben – von der Intensität leicht beeindruckt. Co-Trainer Demond Greene störte vor allem, dass seine Profis zu wenig gegenhielten. „Nur ein Foul im ersten Viertel, so können wir nicht spielen.“

Aber es ist ja ein Merkmal der Bayern in dieser Saison. Man kann reagieren, man kann den Druck hochhalten. Und natürlich hatte das Wirkung. Die Euroleague-gestählte Defensive machte Würzburg die Abschlüsse immer schwerer. Und nach vorne hatte man im immer zielstrebigeren Carsen Edwards (16 Punkte) und Serge Ibaka (19) Akteure, die ihre Wege zum Korb fanden.

Die einzige Knobelaufgabe, die Pablo Laso aus dem Halbfinale mitnehmen wird, ist wohl die Spielmacher-Position. Der in Abwesenheit von Sylvain Francisco einzig etatmäßige Point Guard Leandro Bolmaro präsentierte sich auch gegen Würzburg als anfällig. Isaac Bonga, der immerhin als Nachwuchstalent in Frankfurt schon Erfahrungen auf der Position gesammelt hatte, und Andi Obst sprangen einmal mehr in die Bresche. „Es ist ein anderes Spiel, aber es funktioniert“, sagte Laso.

Doch vielleicht wird sich diese Frage im Kampf um den Titel auch gar nicht mehr stellen. Dem Vernehmen nach soll Francisco genauso wie Abwehrorganisator Nick Weiler-Babb für das letzte Highlight dieser Spielzeit wieder einsatzfähig sein. Laso, der seine Rotation zuletzt auf zehn Spieler verdichtete, hätte dann wieder einmal die Qual der Wahl. Aber diesem Problem wird sich der Spanier sicherlich gerne stellen. PATRICK REICHELT

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