Edelmetall gibt es für den Vize-Meister der Bundesliga bekanntlich nicht, sonst wäre dieser schwarze Tag im Mai 2023 für Mats Hummels noch schwärzer gewesen. Mit dem Satz „Nichts tut mehr weg als die Silbermedaille“ meldete sich der Dortmunder Anführer am Sonntag zu Wort und kommentierte damit das nächste Titel-Trauma des BVB binnen 370 Tagen. Vor einem guten Jahr rutschte Hummels und Co. die sicher geglaubte Meisterschaft durch die Finger, am Samstag nun waren genug Chancen da, um Real Madrid im Champions-League-Endspiel von Wembley tatsächlich zu stürzen. Das Sch…-Gefühl am Ende war dasselbe. Und trotzdem ist diesmal so viel so anders als damals.
Es darf und wird dauern, ehe der Schmerz in den Dortmunder Reihen dem Stolz weichen wird. Denn auch wenn schon vor Anpfiff des Finals klar war, dass diese deutsche Europapokal-Saison eine historisch gute sein würde, hat der Auftritt des BVB gegen die Königlichen aus Madrid diesen Eindruck noch mal verstärkt. Ein Happy End wäre verdient gewesen und hätte Fußball-Deutschland keine zwei Wochen vor dem Start der Heim-EM in einen Rausch versetzt. Aber auch die Begeisterung über den gigantischen Auftritt allein zeigt, wie sehr dieses schöne Spiel die Nation noch erreicht. Bessere Vorzeichen für eine EURO in politisch wie gesellschaftlich schwierigen Zeiten gibt es kaum.
Das Fazit aus Dortmunder Sicht darf sich nicht an vergebenen Chancen von Füllkrug, Brandt oder Adeyemi orientieren, sondern muss am Ende positiv sein. Das gilt mit Blick auf die eigene Entwicklung hin zu einem Team, das nach turbulenten Jahren als Blaupause für die wichtigen Weichenstellungen der neuen Führungsetage dienen kann. Aber es gilt vor allem mit Blick auf den deutschen Fußball, der heute auch deutlich besser dasteht als vor 370 Tagen. Im Mai 2023 feierte ein verdatterter FC Bayern die Meisterschaft, weil die Gegner an ihrem eigenen Unvermögen gescheitert waren. Heuer wurde gleich in vielerlei Hinsicht deutlich, dass die Fußballnation trotz einem Jahrzehnt roter Dominanz auch noch andere Farben kennt.
Wenn in Leverkusen, Dortmund und München richtige Schlüsse aus der Saison gezogen werden, dürfte sich der Trend fortführen. Und das DFB-Team hat zudem ab sofort die Chance, die Steilpässe aus den Clubs zu verwerten. Vielleicht gibt es am 14. Juli die Goldmedaille? Wäre schön – nur wieder hart für Hummels. Aber das ist eine andere Story… Hanna.Raif@ovb.net