Magdeburg nimmt Quadruple ins Visier

von Redaktion

HANDBALL „Jeder weiß, was jetzt möglich ist – aber auch Kiel will auf Europas Thron

Köln – Der strahlende Sonnenschein bei der Ankunft in Köln spiegelte die Stimmung der Magdeburger Überflieger perfekt wider. Nachdem sich der SCM bereits die Meisterschaft, den DHB-Pokal und den Titel bei der Club-WM gesichert hat, nimmt der Branchenprimus nun im Handball-Tempel Lanxess-Arena Kurs in Richtung Geschichte: Beim Final Four der Champions League winkt auf der größtmöglichen Bühne das magische Quadruple.

Die Vorfreude ist groß. So groß, dass bereits bei der Meisterparty am vergangenen Sonntag der Fokus direkt auf den nächstmöglichen Meilenstein gelegt wurde, der noch keiner deutschen Mannschaft gelungen war. „Wir haben drei von vier geschafft. Lasst uns den letzten holen, dann treffen wir uns wieder hier“, rief Omar Ingi Magnusson den Fans vor dem Magdeburger Rathaus zu.

„Die Feierlichkeiten hat die Mannschaft selbstständig nach unten geregelt“, versicherte Geschäftsführer Marc-Henrik Schmedt dem MDR: „Jeder weiß, was jetzt möglich ist.“

Weiteres Selbstvertrauen sollen auch die vergangenen Reisen nach Köln geben. Im letzten Jahr sicherte sich der SCM an gleicher Stelle als Außenseiter den Titel in der Königsklasse, erst vor gut zwei Monaten ging der nationale Pokal vor 20 000 Zuschauern souverän an Magdeburg.

Trotz der vielen Erfolge ist aber auch klar, dass der Weg zur europäischen Krone kein Selbstläufer wird. Im Halbfinale an disem Samstag (15.00 Uhr/DF1, DAZN) wartet mit dem dänischen Meister Aalborg Handbold um Weltstar Mikkel Hansen, der im Sommer seine erfolgreiche Karriere beendet, ein harter Brocken. „Das ist eine absolute europäische Topmannschaft“, warnte Schmedt – bevor er ergänzte: „Da treffen vier Mannschaften aufeinander, die alle die Chance haben, den Titel zu gewinnen.“

Denn nicht nur der SCM hält an diesem Wochenende die deutsche Flagge hoch. Auch der THW Kiel, viermaliger Königsklassengewinner, sicherte sich dank einer sensationellen Aufholjagd im Viertelfinal-Rückspiel gegen Montpellier noch das Ticket für Köln. Nach einer enttäuschenden Saison mit Platz vier in der Bundesliga und dem Pokal-Aus in der dritten Runde bietet das Final Four die Chance auf ein mehr als versöhnliches Ende.

Köln sei ein magischer Ort für ihn, sagte Kiels Trainer Filip Jicha. „Ich freue mich für die Jungs, für unsere Fans, für die ganze handballverrückte Stadt, dass wir dabei sind.“ Dass den Norddeutschen noch vor dem ersten Wurf gegen Rekordsieger FC Barcelona (18.00 Uhr/DF1, DAZN) kaum Chancen ausgerechnet werden, kommt Kiel dabei sogar entgegen. „Wir sind der absolute Underdog in diesem Teilnehmerfeld“, sagte Nationalspieler Rune Dahmke: „Aber diese Rolle nehmen wir gerne an.“ Niemand erwarte vom viermaligen Titelträger gegen Barca einen Sieg: „Das heißt, wir können volles Risiko gehen.“

Für Alfred Gislason ist die Ausgangslage klar. Der Bundestrainer, der mit beiden Teams schon die Königsklasse gewann, traut beiden deutschen Startern den Sprung auf Europas Handball-Thron zu. Magdeburg sei für ihn der Topkandidat auf die Krone, sagte Gislason: „Sie sind super eingespielt.“ Doch der Isländer warnt davor, die in dieser Saison noch titellosen Kieler zu unterschätzen. Auch sie könnten den ganz großen Coup durchaus schaffen.  sid

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