EM-Turnier-Chef: Philipp Lahm. © Pedersen/dpa
Das letzte Sommermärchen: Tausende Zuschauer verfolgten auf der Fanmeile am Brandenburger Tor in Berlin die WM. © Mettelsiefen/dpa
München – Noch eine Woche bis zum EM-Auftakt. Das Interview mit Turnier-Chef Philipp Lahm.
Herr Lahm, Franz Beckenbauer hat bei der WM 2006 als OK-Präsident 48 Spiele gesehen, wie viele haben Sie sich vorgenommen?
So viele wie möglich. Aber den Franz werde ich in dieser Hinsicht sicher nicht toppen können. 48 Spiele werde ich nicht schaffen, aber ich werde auf jeden Fall versuchen, in der Vorrunde mindestens einmal in jeder Host City gewesen zu sein – und das werde ich hinbekommen, da bin ich mir ziemlich sicher.
Wie viel Turnierdirektor Beckenbauer steckt im Turnierdirektor Lahm?
Der Franz hat so viel geleistet, auch für den deutschen Fußball, als Spieler, als Trainer, dann eben als OK-Chef – ich kann und will mich nicht mit ihm vergleichen. Leider hatte ich nicht mehr die Möglichkeit, mit ihm ein bisschen detaillierter über die Aufgabe zu sprechen, weil er gesundheitlich angeschlagen war. Wir haben uns nur ein bisschen ausgetauscht, aber nicht so intensiv, das habe ich leider verpasst.
Wie sind Sie eigentlich zu der Aufgabe gekommen?
Ich wurde damals gefragt, ob ich mithelfen kann, die EURO nach Deutschland zu bringen. Ich war dann in einigen europäischen Ländern unterwegs, um Gespräche zu führen, ich war auch bei der finalen Präsentation 2018 dabei. Ich habe schon damals gesagt: Wenn wir den Zuschlag bekommen, will ich das Turnier auch mit organisieren.
Mit welchen Ambitionen und Zielen haben Sie die Aufgabe übernommen?
Ich wollte ein Turnier organisieren, das in die Zeit passt. Und da war mir immer sehr wichtig: Nachhaltigkeit. Das bedeutet einmal: soziale Nachhaltigkeit, also die Menschen zusammenzubringen, uns zu feiern, unsere gemeinsamen Werte zu feiern. Wir sind, was das Miteinander angeht, auch durch die Pandemie geschädigt – und da hilft so ein Großereignis. Auf der anderen Seite wollen wir etwa das Thema Umwelt mit diesem Turnier vorantreiben, wir wollen auch in diesem Bereich neue Standards setzen, auch das war mir von Beginn an sehr wichtig.
Es gibt vonseiten der UEFA ja einige Vorschriften. Waren Sie überrascht, wie detailliert diese sind?
Ich weiß jetzt zum Beispiel auch nicht genau, welche Toilette wie hoch hängen muss (lacht). Das ist aber auch nicht meine Aufgabe, wir haben dafür Spezialisten und generell ein super Team.
Reicht Julian Nagelsmanns Erfahrung aus, um bei der EM weit zu kommen?
In der Champions League und Europa League sind unsere Mannschaften bis ins Finale gekommen, unsere Spieler haben also internationales Topniveau. Die Spieler müssen jetzt ein Team bilden, und da müssen wir alle dem Bundestrainer vertrauen. Beurteilen wird man es erst danach können, das war schon immer so.“
Wie blicken Sie von außen auf die Arbeit von Nagelsmann?
Es scheint, als hätte er jetzt die richtigen Entscheidungen getroffen. Er hat sein System gefunden, wie er spielen will. Die Spieler müssen sich noch ein bisschen besser finden und noch häufiger zusammenspielen, und dann traue ich der Mannschaft mit der Energie der Fans einiges zu. So ein Heimturnier kann Energie freisetzen – und dann muss man uns auch erstmal schlagen.