München – Ein Streitgespräch wie ein Duell im Boxring – so stellte sich Hasan Ismaik die überfällige Aussprache mit Robert Reisinger vor. Der Löwen-Präsident regte das Gipfeltreffen gegenüber unserer Zeitung an, der Investor sagte seine Teilnahme zu, als er vorigen Dienstag zum Interview im Pressehaus erschien. „Ich verspreche auch, dass ich nett zu ihm sein werde“, sagte Ismaik versöhnlich, ohne zu verschweigen, wer wohl als „Sieger“ aus diesem Duell hervorgehen würde: Er selbst natürlich. Er glaube allerdings, „dass Herr Reisinger zu schwach ist“, stichelte der schwerreiche Jordanier.
Womöglich hätte das erste persönliche Gespräch dazu beitragen können, manches Missverständnis aus dem Weg zu räumen, das das Verhältnis zwischen der e.V.-Seite um Reisinger und die Investorenseite um Ismaik seit vielen Jahren belasten. Allein, und das ist nicht untypisch für den Dauerstreit, der den ganzen Verein seit Jahren lähmt: Die Giftpfeile, die hin- und herfliegen, sind manchmal schneller als jeder gut gemeinte Friedensvorsatz. Noch ehe unser Interview erschien, hatte Ismaik per Facebook seine Bereitschaft zum „Streitgespräch“ zurückgezogen. Eine Stellungnahme des Präsidiums zum BR-Auftritt des Investors hatte für eine neue Eskalation gesorgt. Unter anderem geht es um die Frage, wer wen wann eingeladen hat, am Ende aber nicht treffen wollte. Ismaik hatte u.a. gesagt: „Ich habe immer versucht, dass wir zusammenarbeiten. Zuletzt, im Januar 2024, als wir ihm angeboten haben, dass er seinen Vietnam-Urlaub mit einem Zwischenstopp in Abu Dhabi kurz unterbricht, um zu reden.“ Das sei sogar belegbar, sagte Ismaik.
Reisinger also ein notorischer „Lügner“ (Ismaik), der die ausgestreckte Hand des Investors ausgeschlagen hat? Diese Sichtweise sei „nur ein Teil der Wahrheit“, echauffiert sich der Präsident. Und tatsächlich: Aus einer E-Mail, die unserer Zeitung vorliegt, geht hervor, dass Ismaiks Einladung nach Abu Dhabi offenbar in einer Sitzung des Aufsichtsrats am 13. November 2023 ausgesprochen wurde – und Reisinger sie am 9. Dezember mit der Begründung ausschlug, der Geburtstag seines Sohnes würde ihn daran hindern. „Fakt ist, dass ich mich selbst eingeladen habe, dann aber zurückgezogen und einen neuen Termin angeboten habe.“ In besagter E-Mail heißt es wörtlich: „Gerne können wir aber die entstandenen Fehldeutungen und Fehlinterpretationen bei Ihrem nächsten Besuch persönlich besprechen und aus der Welt räumen. Auch stehe ich im Februar/März gerne für einen Besuch in Abu Dhabi zur Verfügung.“ Reisingers Sichtweise: „Hier wird mit Halbwahrheiten bearbeitet, nur um mich in einem schlechten Licht dastehen zu lassen.“
Das letzte Wort ist vermutlich nicht gesprochen. Endgültig ist dieser Disput wohl nur in einem direkten Gespräch auszuräumen. Ob es noch zustandekommt? ULI KELLNER