Starke Leistung: Owen Ansah, Fünfter über die 100 m. © AFP
„Ich bin enttäuscht von meiner Unfähigkeit“: Diskuswerferin Shanice Craft wurde nur Siebte, hinter Teamkollegin Claudine Vita. © DPA
„Es bedeutet mir sehr viel, ich bin sehr froh“: Amanal Petros sicherte sich mit einem packenden Schlussspurt Bronze im Halbmarathon. © DPA
Rom – Vor dem großen 100-Meter-Finale traf Owen Ansah unverhofft Titelverteidiger Marcell Jacobs – auf der Toilette im Olympiastadion von Rom, barfuß. Dann beschloss der Olympiasieger, sich ein Paar Schuhe zu holen. „Wir haben kurz gequatscht, dann ist wieder jeder in seinen Fokus gegangen“, berichtete Ansah.
Der deutsche Sprinter belegte in 10,17 Sekunden den achtbaren fünften Platz, Jacobs kürte sich nach einem schwierigen Vorjahr in 10,02 Sekunden erneut zum Europameister. Komplett cool und entspannt sei der stürmisch gefeierte Italiener, erzählte Ansah.
Für ihn kam sein Final-Einzug nach langer Verletzungsgeschichte unerwartet. „Ich bin mega froh, heute hier zu sein. Ich wollte mir selber eine Überraschung machen, und ich denke, das ist mir ganz gut gelungen“, sagte der 23-Jährige.
Bereits am Freitag durfte Senkrechtstarterin Ogunleye nach einem lange durchwachsenen Wettkampf über Bronze jubeln. „Ich bin hierher gekommen und hab mir so sehr eine Medaille gewünscht“, sagte sie: „Nach der Quali hat sich leider mein Knie wieder gemeldet. Ich habe mit allem gekämpft, was ich hatte, und bin so glücklich, dass es eine Medaille geworden ist.“
Die nervenstarke Hallen-Vizeweltmeisterin musste sich im Finale mit 18,62 m lediglich der niederländischen Titelverteidigerin Jessica Schilder (18,77) und deren Landsfrau Jorinde van Klinken (18,67) geschlagen geben.
Deutlich schlechter lief es für die Diskus-Damen: „Ich werde noch eine Weile den Kopf schütteln. Ich bin einfach enttäuscht von meiner Leistung, meiner Unfähigkeit“, sagte Shanice Craft nach der Entscheidung bei der Leichtathletik-EM in Italien. Als eine von drei ernstzunehmenden deutschen Medaillenkandidatinnen war die gebürtige Mannheimerin in den Wettkampf gegangen, doch abliefern konnte am Samstagabend im Stadio Olimpico kein Teil des DLV-Trios.
Zuvor blieb Geher Christopher Linke eine weitere internationale Medaille vorerst verwehrt. Der 35 Jahre alte Potsdamer gab über die 20 Kilometer bei großer Hitze auf, nachdem er zwischenzeitlich noch zur Spitzengruppe gezählt hatte. Zwei Jahre nach EM-Silber über 35 Kilometer in München musste sich der WM-Fünfte nach etwa 15 Kilometern nach eigenen Worten sehr heftig übergeben.
Linke erreichte danach nicht das Ziel im Olympiastadion und sprach von einer Riesenenttäuschung. „Wenn man nicht riskiert und vorne mitgeht, gewinnt man keine Medaille“, sagte er. Warum es ihm nach gut der Hälfte der Distanz so schlecht ging, konnte sich Linke zunächst nicht erklären.
Der Sonntag begann da besser. Nach seinem packenden Schlussspurt mit ungeahnten Hindernissen fiel Amanal Petros im Ziel auf den Rücken und streckte alle Viere von sich. Mit Silber vor Augen und der Hoffnung auf Gold war der deutsche Langstreckenläufer ins Stadio Olimpico eingelaufen – am Ende holte er bei der Europameisterschaft im Halbmarathon die zweite deutsche Bronzemedaille.
„Es bedeutet mir sehr viel. Ich bin sehr, sehr froh“, sagte Petros (1:01,07 Stunden) abgekämpft. Auf den letzten Metern im Römer Olympiastadion hatte sich der deutsche Marathon-Rekordler auf einer Bahnbegrenzung vertreten. Pietro Riva zog noch vorbei und setzte nach Italiens „Super Samstag“ gemeinsam mit dem neuen Europameister Yemaneberhan Crippa die italienischen Festspiele auch am dritten Wettkampftag fort.
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