Und bist du nicht willig…: In Spiel zwei waren die Albatrosse ein deutlich bissigerer Gegner. © IMAGO
München – Für einen kurzen Moment brannten auch dem Routinier ein bisschen die Sicherungen durch. Bayerns Serge Ibaka geriet mit Alba Berlins Tim Schneider aneinander. Die beiden Streithähne versöhnten sich schnell wieder. Doch es war eine Szene wie sie typisch war, für einen vermurksten Münchner Basketball-Abend. Am Ende stand ein 70:79 (32:39) auf der Anzeigetafel. Verbunden mit der Botschaft: Der Weg zum Titel kann für die Bayern noch ein steiniger werden. 1:1 steht es in der Finalserie. Weiter geht es am Mittwoch (20.30 Uhr) in Berlin.
Dabei: Der vollgepfropfte BMW Park – er war in Partylaune. Denn trotz des lange Zeit engen Auftaktspiels, es gab nicht viel was auf eine schnelle Wende in dieser Finalserie schließen ließ.
Nun ja, Berlins Coach Israel Gonzalez fand so ein Puzzlestück. Und das, wie so oft in dieser Saison: Johannes Thiemann. Der Weltmeister hatte am Samstagabend noch eher abgewunken was seine Perspektiven für einen Einsatz auf Münchner Parkett anging. Doch: Wie schwerwiegend auch immer die Probleme an Thiemanns Patellasehne gewesen sein mögen – man hatte sie im Griff zum zweiten Anwurf dieser Finals.
Auch Pablo Laso hatte personell einen Schachzug zu bieten. Sylvain Francisco war wieder da, aber irgendwie auch wieder nicht. Bayerns Coach hatte sich ausgerechnet, dem französischen Pokal-MVP fürs Erste bestenfalls kleine Kostproben an Finallust zu geben.
Und es sah ja auch erst einmal so aus als könnte er sich das leisten. Denn wie schon am Samstag starteten die Bayern schwungvoll und bissig. Ein schnelles 26:16 schmeckte schon ein bisschen, als könnte man den Meisterausflug für Spiel drei in Berlin schon buchen.
Wie am Samstag kam den Bayern aber auch diese Partie abhanden. Und es war keineswegs nur der heiß laufende Matt Thomas (21 Punkte), der die Geschicke wiendete. Berlin biss sich in die Partie und übernahm vor allem unter dem Korb das Kommando.
Zu diesem Thema gab Bayerns Ex-Coach Svetislav Pesic einmal eine markante Weisheit zum Besten. „Zum offensiven Rebounds“, so hatte der heutige serbische Nationaltrainer gesagt, „gehst du nicht, wenn du drei Autos in der Garage hast.“ Nun: Nach drei Vierteln stand Alba hier bei einem 12:5. Ob das Rückschlüsse auf die Münchner Wagenparks zulässt, das sei dahingestellt. Doch die vielen zweiten Wurfchancen halfen den Berlinern. Die Konsequenz: Auf bis zu zehn Punkte zog Alba zwischenzeitlich davon.
Doch es gab noch eine Parallele zum meisterlichen Samstag: Gegen Ende des dritten Viertels suchten die Bayern ihr Heil an der Dreierlinie. Und wieder funktionierte das bestens. Nicht bei Andi Obst – der Weltmeister handelte sich früh vier Fouls ein und musste länger zuschauen als ihm lieb war. Doch Nick Weiler-Babb und Isaac Bonga sprangen in die Bresche.
Und heizten damit auch die, oftmals so beschauliche Arena am Westpark kräftig an. Es war Playoffstimmung am BMW-Park. Aber so sehr die Bayern auch anrannten – in wirkliche Schlagdistanz vermochten sie nicht zu kommen. Zumal die Berliner ihre Position auch clever behaupteten. Man machte die eigene Zone konsequent dicht. Und wann immer es ging, drückte man nach vorne aufs Tempo.
So hielt man den Topfavoriten letztlich überraschend souverän auf Distanz. Und hinterließ Ernüchterung. Zumindest bis zum dritten Teil der Serie am Mittwoch. PATRICK REICHELT