EM-Rasen: Technik, Können und Wettergott

von Redaktion

Sechs Spiele in weniger als vier Wochen – das EM-Programm in der Allianz Arena ist straff, aber bange ist Klaus Peter Sauer nicht. Der Greenkeeper und sein Team sind zuversichtlich, mit den Kollegen in den neun anderen EM-Stadien ein „gutes Rasenbild“ abzugeben.

Rasenexperten unter sich: Sauer (r.) beim Besuch von Kanzler Scholz. Auch Turnierdirektor Lahm freut das satte Grün. © IMAGO

München – Natürlich ging der Blick auch zu Beginn der Woche wieder nach oben. Aber auch wenn der Montag in München verregnet startete, ließ die Prognose Klaus Peter Sauer aufatmen. Bis zum Anpfiff des EM-Eröffnungsspiels zwischen Deutschland und Schottland am Freitag (21 Uhr) soll nicht mehr allzu viel Niederschlag runterkommen, das heißt: Deutschland und Schottland können sich auf ein wunderbar gepflegtes sattes Grün in der Allianz Arena freuen. Es war „Glück“, sagt der Experte, dass der enorme Dauerregen „schon zwei Wochen vor Turnierstart“ eingesetzt hatte, denn 100 Liter Niederschlag pro Quadratmeter – wie vor eineinhalb Wochen – hätten auch Sauer und sein Team ins Schwitzen kommen lassen.

Informationen wie diese hat auch Olaf Scholz schon aus erster Hand bekommen. Denn der Bundeskanzler war vergangene Woche genau an jenem Tag auf einer Stippvisite in der „Munich Football Arena“, als große Teile Bayerns mit Hochwasser zu kämpfen hatten. Trotz drei Tagen Regen „war der Kanzler zufrieden mit dem Rasen“, erzählt Sauer im Gespräch mit unserer Zeitung und schmunzelt. Das kann fast als Gütesiegel gesehen werden, denn Scholz outete sich bei seinem Besuch als echter Rasenexperte. Sauer sagt: „Er war gut informiert“ – und so konnte man „über Nachhaltigkeit, Material, Technologie, Geräte und sogar Schnitthöhen“ sprechen.

Scholz also weiß bereits, wie genau Sauer und seine Kollegen arbeiten. 22 bis 24 Millimeter beträgt die Mäh-Höhe, die die zehn EURO-Stadien anpeilen. Nach einem genauen Rapport wird da gearbeitet, damit „alle Teilnehmer in allen Stadien gefühlt auf demselben Untergrund“ antreten. Das sei vor allem mit Blick auf verschiedene Technologien – in München liegt etwa wie in Dortmund und Leipzig Hybridrasen – „fast unmöglich“, sagt Sauer: „Aber wir versuchen es so gut wie möglich.“ In einer WhatsApp-Gruppe tauscht man sich aus: „ Wenn es Probleme gibt, ist es wichtig, dass man zusammenhilft. Das ist immer so, aber während einer EURO besonders. Wir wollen ein gutes Rasenbild abgeben.“

Blickt man als Laie aufs Feld, wird das gelingen. Aber auch der Fachmann bestätigt: „Wir pflegen das ganze Jahr über so gut, dass wir bestens aufgestellt sind.“ 24 Heimspiele hat der FC Bayern in der abgelaufenen Saison in der Allianz Arena ausgetragen, die vor einem Jahr installierte Hybridrasen-Technologie aber garantiert Sauer und seinem Team „Stabilität“. Dass eine EURO vor allem aufgrund der „Kompaktheit der Spiele“ eine Sondersituation ist, gibt der Mann, der mehrfach das „Pitch of the year“ gepflegt hat, trotzdem zu. Daher gilt nun: „Man versucht, den Rasen immer am Wachsen zu halten, damit er sich schneller regenerieren kann.“

Dafür teilen sich Sauer und sein Team während der EURO in Schichten ein, die Rasenbetreuung läuft rund um die Uhr. Die Technik ist wichtig, unter anderem messen Sensoren Temperatur, Feuchtigkeit und Salzgehalt. Aber „der Faktor Mensch“, sagt Sauer, kann schon „den größten Einfluss auf den Rasen haben“. Ein optimales Zusammenspiel bringt beste EURO-Bedingungen – dazu kommt der Wettergott. Denn Sauer weiß schon auch: „Dauerregen binnen zwei Spielen kann den Platz zerstören.“ Übersetzt: Genug jetzt!

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