Familie Bridger freut sich auf das Turnier und die schottische Mannschaft. © Tschirpke
Kult-Fan Andrew Syme. © Tschirpke
Willkommen in Bayern, DFB-Gegner: Das schottische Team bei der Ankunft in Garmisch-Partenkirchen am Sonntagabend. © dpa / Andrew Milligan
Auf ihn kommt es an: Kapitän Robertson (Mi.) war beim Trainingsauftakt leicht angeschlagen, die Schotten hoffen aber weiter auf seinen Einsatz. © IMAGO
Garmisch-Partenkirchen – Auf diesen Tag hat Andrew Syme lange gewartet. Der „bayerische Schotte“, wie er in einem Youtube-Video von der Tourismus-Behörde Garmisch-Patenkirchen getauft wurde, ist vor 34 Jahren aus Aberdeen in den Skiort gezogen. Seitdem eröffnete Syme sein eigenes Restaurant, erlangte Bekannt- und Beliebtheit im Ort, der Höhepunkt seiner Zeit in den Alpen erfolgte aber am Montag: Beim Trainingsauftakt der schottischen Nationalmannschaft im Stadion „Am Gröben“ feuerte der Kultfan seine Bravehearts auf dem Weg zur EM an – zusammen mit anderen Mitgliedern der „Tartan Army“, wie die schottischen Anhänger genannt werden.
„Uns geht es nicht darum, zu gewinnen“, sagt Syme. Viel wichtiger sei es für die Fans der Schotten, die erst zum vierten Mal an einer EM teilnehmen, sich im Gastgeberland von ihrer besten Seite zu zeigen und die Mannschaft von Trainer Steve Clarke bestmöglich zu unterstützen. „Es ist schon ein Erfolg, dass wir überhaupt dabei sind – jetzt wollen wir unser Team feiern!“, erklärt Syme. Dabei kann er auf tatkräftige Unterstützung zählen. Ganze 100 000 Fans sollen für das Eröffnungsspiel nach München reisen, zwischenzeitlich kursierten sogar Zahlen von bis zu 200 000. Ein Teil davon wird Raymond Hamill sein, der zusammen mit seiner Frau Kate und Sohn Gabriel extra aus Dundee nach Garmisch gereist ist. Für das Eröffnungsspiel gegen Deutschland stimmt sich die Familie bereits einen Tag zuvor auf der Fanmeile in der Landeshauptstadt ein.
„Die Münchner Innenstadt wird eine große Party und die Tartan Army wird alles geben, um für gute Stimmung zu sorgen!“, erklärt Hamill. Welche Rolle dabei das Münchner Bier spielt? „Wir trinken München leer!“, antwortet Sohn Gabriel, der sich neben den schottischen Fans auch auf die Anhänger Deutschlands und anderer Nationen freut. „Für uns gibt es kein ‚Wir gegen die‘, sondern nur eine große Fußballfeier.“ Die Idee der Tartan Army: Statt wie andere Nationen einen alleinigen Fanmarsch zur Arena zu starten, wollen Hamill und Co. auch deutsche Anhänger dazu einladen, am Freitag mit Trommeln und Gesängen von der Fanzone bis zum Stadion zu marschieren.
„So wollen wir es in jeder Stadt machen. Diese Fanmärsche werden typisch schottisch, aber vor allem: bunt, laut und friedlich!“ Inwiefern die Mannschaft dabei helfen kann, die Partystimmung anzuheizen, ist vor dem Auftaktspiel offen. Auf die ernüchternde Generalprobe gegen Finnland (2:2) am vergangenen Freitag folgte beim Trainingsauftakt der nächste Dämpfer.
Topstar Andrew Robertson musste vorzeitig das Training beenden. Der Linksverteidiger vom FC Liverpool hat einen Schlag abbekommen, soll aber am heutigen Dienstag wieder ins Teamtraining einsteigen: „Wir hoffen, dass er dann wieder fit ist. Beim Kapitän ist man logischerweise besonders vorsichtig“, erklärte Co-Trainer John Carver auf der Pressekonferenz nach dem ersten Trainingstag.
Unabhängig von Robertson weiß aber auch der Assistenz-Coach, worauf es für die Schotten ankommt: „Unsere Fans sind unglaublich, ihre Unterstützung ist das Allerwichtigste für uns.“ Der Auftakt in Garmisch war für die Tartan Army erst der Anfang. VINZENT TSCHIRPKE