ZUM TAGE

Es bleiben noch 14 Versuche

von Redaktion

Zverevs Paris-Pleite

Alexander Zverev war so nah dran und saß am Ende doch wieder bedröppelt auf seiner Bank, während Carlos Alcaraz seinen Sieg bei den French Open bejubelte. Auch im 33. Anlauf hat es der mittlerweile 27-Jährige nicht geschafft, seinen ersten Grand-Slam-Sieg einzutüten. Seit Zverev 2014 als Junior bei den Australian Open triumphierte, liegt die Hoffnung und auch die Last auf seinen Schultern. Zehn Jahre später war die Chance so groß wie selten.

Warum es nicht klappte? Vielleicht weil das Schicksal es so wollte. Denn Zverev spielte ein starkes Turnier. Angefangen beim Erstrunden-Knaller gegen Nadal räumt er von Rune über De Minaur bis zu Ruud durchaus starke Gegner aus dem Weg bewies dabei in schwierigen Momenten mentale Reife. Auch gegen den neuen spanischen Sandplatz-Helden schlug er sich mehr als wacker, führte sogar mit 2:1-Sätzen. Den vierten Durchgang allerdings verschlief der Hamburger, im Fünften aber nahm er das Heft wieder in die Hand. Es war nicht Alcaraz, der den Satz gewann, sondern Zverev, der ihn unter anderem mit leichten Volleyfehlern verlor.

Und dann war da natürlich noch Schiedsrichter Renaud Lichtenstein. Der Franzose verhindert ein Break des Deutschen, in dem er einen Alcaraz-Aufschlag fälschlicherweise gut gab. 1:3 oder 2:2 – ein riesiger (psychischer) Unterschied im entscheidenden Satz und nach vier Stunden auf dem Court. Man hätte es sogar Zverev, der nicht immer nur charmant und charismatisch auftritt, zugestanden, wenn er sich darüber sehr echauffiert hätte. Aber die deutsche Nummer eins trug die missliche Situation mit Fassung. Auch Schiedsrichter machen Fehler, so Zverev, sie sind auch „nur Menschen“, und das „ist in Ordnung“.

Die Frage, die man sich jetzt zwangsläufig stellt: wird das noch was? Bruder Mischa hat mit 30 Jahren seinen ersten ATP-Turniersieg gefeiert. Nimmt man die Marke als Referenz – ein erster Grand-Slam-Sieg mit über 30 Jahren ist auch eher unrealistisch –, dann hat Zverev noch 14 Versuche. Vorausgesetzt er verletzt sich nicht. Die vergangenen zwei Wochen wird die Familie (Papa und Trainer Alexander, Bruder und Manager Mischa und Mama Irina, die gute Seele) genau analysieren. Neuer Input ist eher unwahrscheinlich. Mit anderen, zusätzlichen Trainern hat Zverev bisher keine guten Erfahrungen gemacht. Auch nicht mit Juan Carlos Ferrero – dem heutigen Coach von Carlos Alcaraz.

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